Dr. Michael Hörner      
      FA FÜR DERMATOLOGIE, VENEROLOGIE, ALLERGOLOGIE      
      Hütteldorfer Straße 117 / 9  A-1140 Wien      
       
         
 

NAHRUNGSMITTELALLERGIE

NAHRUNGSMITTELINTOLERANZ

Auch Nahrungsmittel sind immunologische Fremdstoffe:

Die wichtigsten Eckdaten

 

Druckvariante
  Nahrungsmittel  
  Allergische Reaktion  
  Unverträglichkeitsreaktionen  
  Konsequenzen  
  Weitere Information zu diesen Themen:  
   
Inhalative Allergie Kreuzallergien
Medikamentenallergie Insektengifte
Nahrungsmittelallergie Kontaktallergie
 
       

Übersicht

Nahrungsmittel: Ein Überblick  

 

Woraus die Nahrung besteht

Wir brauchen Nahrungsmittel! Gesunde, frische, ausgeglichene Kost liegt uns am Herzen. Diese stammt aus pflanzlichen und tierischen Quellen. Sie besteht üblicherweise aus ca. 60% Kohlenhydraten (Zucker und Stärke), 30% Proteinen (Eiweißstoffen) und 5-10% Fetten. Dazu gesellen sich Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Gewürze und Geschmacksstoffe. Industriell gefertigte Nahrung enthält zudem ein Spektrum an Zusatzstoffen (s.u.).

 

 

Die individuelle Verträglichkeit

Nicht für jeden Menschen ist jedes Nahrungsmittel bekömmlich oder verträglich. Das hat meist subjektive Gründe, und es schadet keineswegs, hier auf seine "innere Stimme" zu hören. Manchmal muss aus medizinischen Gründen eine bestimmte Diät eingehalten werden (s.u.). Dabei ist streng zu trennen zwischen echten Nahrungsmittelallergien, und nicht-allergologischer Unverträglichkeit.

 

Allergie

Allergische Reaktion  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie entsteht eine Allergie?

Allergie bedeutet eine erworbene Fehlfunktion des Immunsystems. Dieses richtet sich gegen bisher verträgliche Fremdantigene und führt zu einer krankmachenden Entzündungsreaktion.

Voraussetzung zur Entstehung einer Allergie ist eine vorangegan- gene Sensibilisierung: Sei es direkt (durch frühere Aufnahme des Nahrungsmittels), oder indirekt über eine Kreuzallergie (s.d.). 

Nahrungsmittel stellen grundsätzlich Fremdstoffe dar, deren Nutzen und Aufnahme erst nach Aufbereitung im Verdauungstrakt möglich wird. Manche Fremdantigene werden dabei zerstört (denaturiert); andere jedoch bleiben intakt und können als krankheitsauslösende Allergene wirken.

 

Kreuzallergie

 

Kreuzallergien

Ein besonderes Phänomen der Nahrungsmittelallergien stellen die Kreuzallergien dar. Dabei findet sich primär eine Allergie gegen ein sonstiges Allergen (z.B. Birkenpollen). Zugleich führt jedoch die Aufnahme eines ungeschälten, rohen Apfels zu Beschwerden im Sinne der Sofortreaktion (s.u.).

Grund ist die Ähnlichkeit allergener Oberflächeneigenschaften von Birkenpollen und Äpfeln. Im vorliegenden Fall muß ein Birkenpollen- allergiker auf den Genuss roher Äpfel verzichten.

Es gibt zahlreiche Kreuzallergien, welche im klinischen Alltag berücksichtigt werden müssen: Mehr Information >>

 

Risikogruppen

 

 

 

 

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Wer ist anfällig für Nahrungsmittelallergien?

Grundsätzlich kann jeder Mensch im Laufe seines Lebens von einer Nahrungsmittelallergie betroffen sein. Tatsächlich findet sich ein höheres Risiko bei folgenden Patientengruppen:

Kleinkinder, wenn mind. ein Elternteil von Allergien betroffen ist

Erwachsene, die zugleich eine oder mehrere sonstige Allergien aufweisen (insbesondere Typ 1-Allergien)

Patienten, die an einer angeborenen Atopie leiden

 

Nesselsucht (Urticaria)

Nesselsucht (Urticaria).

Zum Vergrößern anklicken. - Bild: Hörner

Allergie Typ 1

 

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Allergie Typ 1: Sofortreaktion

Die häufigste - und subjektiv beeinträchtigendste - Form der Nahrungsmittelallergie ist die Allergie Typ 1 nach Gell und Coombs.

Bei dieser Sofortreaktion treten Symptome binnen Minuten bis zu zwei Stunden nach Aufnahme des Nahrungsmittels auf:

Zungenbrennen, juckender Gaumen

Magenbeschwerden, Durchfall, Kolik

Hautrötung (flush-Symptomatik)

Juckender Nesselausschlag (Urticaria); s. Bild.

Schwellungen im Gesichtsbereich, der Hände, Füße, manchmal auch an anderen Lokalisationen (Quincke-Ödem); s. Bild.

im Extremfall: Atembeschwerden, Schweißausbruch, Blutdruckabfall (Anaphylaxie)

 

 

Symmetrisches Handödem

Symmetrisches Handödem.

Der Ring kann nicht entfernt werden. Zum Vergrößern anklicken. - Bild: Hörner

 

Allergie Typ 3

 

Allergie Typ 3

Seltener; "Immunkomplexreaktion" nach Gell und Coombs. Symptome (z.B. Hautausschläge, Verdauungsbeschwerden) treten mit Verzögerung von mehreren Stunden (bis zu einem Tag) auf.

 

Sonstige Allergien

 

Andere Allergien durch Nahrungsmittel

Diskutiert wurden und werden auch andere Allergieformen durch Nahrungsmittel bzw. deren Inhaltsstoffe, z.B.:

Auftreten eines Hautekzems (Allergie Typ 4) bei Nickelallergikern nach Einnahme nickelhaltiger Nahrung; 

Auftreten von Hautausschlägen nach Einnahme salizylathaltiger Nahrung; u.a.

Untersuchungen über diese Fälle haben jedoch zu uneinheitlichen Ergebnissen geführt.

 

Häufige Auslöser

 

Häufige Auslöser der Typ 1-Allergie auf Nahrungsmittel

Eine Vielzahl natürlicher Nahrungsmittel könnte theoretisch eine Allergie auslösen. In der Praxis handelt es sich jedoch häufiger um folgende:

 

 

Nüsse

Steinobst

Mandeln

Weizen

Erdnüsse, Hülsenfrüchte

Sellerie

Fische

Milcheiweiß

Schalen- und Krustentiere

Eiproteine

Äpfel

Soja

 

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Innerhalb bestimmter Nahrungsmittel lassen sich oft mehrere Antigene nachweisen. Im Falle der Kuhmilch kommt neben den Kaseinen auch den Molkenproteinen allergene Bedeutung zu (a-Lactalbumin, ß-Lactoglobulin, bovines Serumalbumin u.a.). Erhitzen mit höheren Temperaturen bewirkt Denaturierung dieser Proteine. Gewöhnliches Pasteurisieren kann jedoch sogar zur Erhöhung der allergenen Potenz einzelner Proteine führen (z.B. ß-Lactalbumin).

 

Zusatzstoffe

 

Zusatzstoffe

Industriell aufbereitete Nahrung enthält eine Reihe von Zusatzstoffen. Dazu zählen z.B.:  

 

 

Konservierungsmittel

Antioxidantien

Farbstoffe

Säuerungsmittel

Geschmacksverstärker

Geliermittel

Süßstoffe

Verdickungsmittel

Stabilisatoren

Oberflächensubstanzen

 

 

Für zahlreiche Zusatzstoffe besteht eine Deklarationspflicht der Hersteller. Tatsächlich ist nicht auszuschließen, dass eine selektive Allergie (bzw. Unverträglichkeit) gegen einen einzelnen Zusatzstoff besteht. 

 

Atopie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Nahrungsmittelallergie bei Atopie

Unter "Atopie" verstehen wir eine angeborene Fehlprogrammierung des Immunsystems. Dabei kann es bereits ab dem Kleinkindesalter zur Sensibilisierung gegenüber zahlreichen Fremdantigenen kommen. Darunter fallen pflanzliche, inhalative Allergene (z.B. Pollen) ebenso wie Nahrungsmittelallergene. Als Folge der Sensibilisierung kommt es zu den entzündlichen Symptomen der Allergie (meist Typ 1-Sofortreaktion).

Das Risiko zur Sensibilisierung scheint anfangs geringer bei Säuglingen, die längerfristig (über 6 Monate) mit Muttermilch ernährt wurden. Ab dem zweiten Lebensjahr besteht jedoch kein Unterschied zu anderen Atopikern.

Gewöhnlich haben Nahrungsmittelallergien im Kindesalter mehr, im Erwachsenenalter zunehmend geringere Bedeutung. Zwar zeigen Atopiker auch noch im Erwachsenenalter häufig positive Labortests (IgE-Antikörper) gegen diverse Nahrungsmittelallergene. Soferne die entsprechenden Nahrungsmittel aber subjektiv vertragen werden, ist ihr Genuss möglich. Eine polyvalente Verbotsdiät unter Weglassung zahlreicher Nahrungsmittel ist meist nicht indiziert und wirkt eher lebenserschwerend.

Allergische eosinophile Gastroenteropathie:

Sonderform einer schleimhautgebundenen allergischen Reaktion bei Atopikern. Dabei kommt es kurz nach Nahrungsaufnahme zu Erbrechen, Diarrhoen und resultierender Mangelernährung. Die auslösenden Entzündungszellen finden sich In der Schleimhaut des Dünndarms. Die Beschwerden klingen unter Eliminationsdiät ab.

Mehr Information zur Atopie >>

 

Unverträglichkeit

Unverträglichkeitsreaktion  

 

Unverträglichkeit (bzw. Intoleranz) gegen einzelne oder mehrere Nahrungsmittel wird häufig angegeben. Als Auslöser kann jedes Nahrungsmittel bzw. einzelne Inhaltsstoffe in Frage kommen.

Es finden sich vielfältige Symptome und Ursachen. Deren Abklärung erfolgt im Zuge einer eingehenden Anamnese (auch unter Berück- sichtigung sonstiger Grunderkrankungen) und ggf. Austestung (s.u.). 

Grundsätzlich zu unterscheiden sind Unverträglichkeitsreaktionen vom immunologischen Ablauf einer echten Nahrungsmittelallergie.

 

Symptome

 

Symptome einer Unverträglichkeitsreaktion 

Die angegebenen Symptome einer Unverträglichkeitsreaktion können vielfältig sein: 

 

-

Hautausschläge (Plötzliche Rötung, flush; Nesselsucht, Urticaria); Hautunreinheiten

 

-

plötzlich auftretende Hautschwellungen (Gesicht, Hände, Beine etc.), Verdacht auf Quincke-Ödem

 

-

Verdauungsbeschwerden wie Bauchschmerz, Übelkeit, Erbrechen Durchfall, Verstopfung, Appetitlosigkeit; Gewichtsveränderung

 

-

Unspezifische Beschwerden: Kopfschmerzen Schwächegefühl, allgemeines Unwohlsein, etc.

 

Subjektive Intoleranz

 

 

 

 

 

 

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Subjektive Unverträglichkeitreaktion

In manchen Fällen angegebener Nahrungsmittelintoleranz lässt sich kein Zusammenhang zu einer bestimmten Grundkrankheit nachweisen. 

Die bedeutet freilich nicht, dass keine Symptome vorhanden wären! Diese müssen mangels nachweisbarer Grundkrankheit vorerst als subjektive Nahrungsmittelintoleranz gewertet werden. Auch diese kann das Leben beeinträchtigen. Hier heißt es behutsam vorgehen und untersuchen; die Bedenken des Patienten ernst nehmen; ggf. vorhandene Ängste nehmen. In jedem Fall soll Schaden für die Gesundheit abgewendet werden.

 

Grundkrankheiten

 

An Grundkrankheiten gebundene Unverträglichkeitsreaktionen

In manchen Fällen von Nahrungsmittelintoleranz lässt sich eine bestimmte Grundkrankheit nachweisen. Umgekehrt sind bestimmte Grundkrankheiten mit selektiver Nahrungsmittelunverträglichkeit verbunden. Die folgende Tabelle zeigt eine verkürzte Übersicht über gängige Bespiele krankheitsgebundener Nahrungsmittelintoleranz:

 

 

Histaminintoleranz

Urs.:

 

 

Sy.:

Th.:

Enzymmangel (Diaminoxidase).

Histamin in der Nahrung wird zu

langsam abgebaut.

Hautausschläge, Verdauungsprobleme

Histaminarme Kost.

Fruktoseintoleranz

Urs.:

 

 

Sy.:

 

Th.:

A. Enzymmangel (selten) oder 

B. Störung der Aufnahme im Darm (häufiger)

A. Störung des Zuckerstoffwechsels; 

B. Verdauungsprobleme

Fruchtzucker meiden

Laktoseintoleranz

Urs.:

Sy.:

Th.:

Enzymmangel (Laktase)

Verdauungsprobleme

Milchzucker meiden

Zöliakie

Urs.:

Sy.:

 

 

 

Th.:

Intoleranz gegen Gliadin aus Weizen. Immunologische Entzündungsprozesse im Darm bewirken Diarrhoe etc. - Oftmals zgl. Hauterkrankung: Dermatitis herpetiformis Duhring. - 

Gliadinfreie Diät, medik. Zusatztherapie.

 

Toxische Reaktion

 

 

 

 

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Toxische Unverträglichkeitreaktion

Abbauprodukte von Nahrungsmitteln können Symptome hervorrufen, die jenen einer Nahrungsmittelallergie ähnlich sind:

Nesselsucht (Urticaria), Schwellungen, Durchfälle etc.

Auslösend sind z.B. biogene Amine diverser Eiweißprodukte, häufig in Fisch oder Käse.

Die genaue Anamnese wird einen ersten Hinweis auf eine toxische Unverträglichkeitsreaktion ergeben. Grundlegende Empfehlung ist ist Aufnahme stets frischer Nahrung!

 

Konsequenz

Konsequenzen  

Durchuntersuchung

 

Chronische Beschwerden

Beispiel: Zöliakie, Histaminintoleranz, chronische Nesselsucht (Urticaria, länger als zwei Monate wiederkehrend bestehend). Eingehende Durchuntersuchung zwecks Abklärung zugrunde liegender Krankheiten und Unterscheidung zwischen Allergie und Unverträglichkeit. Temporäre Linderungstherapie bis zur Verifizierung eines definitiven Krankheitsbildes. 

 

Rasche Begutachtung

 

Akute Beschwerden

Beispiel: Akute Nesselsucht (Urticaria), Schwellungszeichen: (Quincke-Ödem): Umgehende ärztliche Begutachtung! Allergische oder toxische Reaktionen können unter diesem Bilde erscheinen. Sie können sich binnen Stunden zu ausgeprägten Krankheitsbildern ausweiten.

 

Anamnese

 

Anamnese

Zu erfragen sind folgende grundlegende Daten:

 

-

Besteht eine bekannte Allergie? (Heuschnupfen, Kontaktallergie, Medikamentenallergie etc.)  

-

Gibt es in der Familie Betroffene mit bestehender Allergie?  

-

Essgewohnheiten: welche Nahrungsmittel, zu welcher Tageszeit, roh oder oder gekocht, regelmäßig oder sporadisch  

-

Trinkgewohnheiten: welche Getränke, alkoholische Getränke, wieviel in welchen Intervallen  

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-

Sonstige Grunderkrankungen: Magenbeschwerden, Zwerchfellbruch (Refluxsymptomatik!), Gallenerkrankung, Zuckerkrankheit, Bauch- speicheldrüse, Reizdarm, chronisch entzündliche bzw. rheumato- logische Erkrankungen; Kopfschmerzen, Fieberschübe etc.  

-

Hautausschläge: lokal / generalisiert, wiederkehrend, juckend, seit wann, nach bestimmten Nahrungsmitteln?, mit welcher Verzögerung auftretend  

-

Schwellungszeichen: plötzliche Schwellung des Gesichts oder anderer Hautareale  

-

Medikamente: Dauermedikation, sporadische Medikamente, aus welchen Gründen, in welcher Dosis (Schmerzmittel!)  

-

Lebensweise: Berufliche und private Stressexposition, seelische Belastungen, Überforderung  

 

Zur Klärung von Zusammenhängen zwischen Nahrungsaufnahme und Krankheitssymptomen kann das Führen eines "Tagebuchs" durch den Patienten hilfreich sein.

 

Hauttests:

Prick-Test

 

Hauttests

Prick-Test (Ritz-Test): 

Besteht der Verdacht auf Vorliegen einer Nahrungsmittelallergie, kann ein Hauttest (Prick-Test) durchgeführt werden. Dabei werden Allergenproben in die Haut des Unterarms mittels Lanzette eingeritzt (Bild). Entsteht binnen 15 min. ein juckender Herd ("Quaddel"), besteht der Verdacht auf spezifische Allergie Typ 1 .

Typ 3-Reaktionen erfordern eine Ablesung nach 6 bzw. 24 Stunden. Typ 4-Reaktionen durch Nahrungsmittel sind selten; ein Epikutantest kann versucht werden. Typ 2-Reaktionen und pseudoallergische Reaktionen können nicht mittels Hauttests nachgewiesen werden.

  prick.jpg (265321 Byte)

Prick-Test; Anklicken zum Vergrößern. - Bild: Hörner

 

Nach Sampson verfügt der PRICK-Test auf Nahrungsmittel- allergene vor allem über einen hohen negativen Prädiktionswert (95%), während der positive Prädiktionswert weniger als 50% beträgt. Anders gesagt: Ein negatives Ergebnis im Hauttest hat mehr  diagnostische Aussagekraft als ein positives. - Zu berücksichtigen ist ferner eine reduzierte Reaktivität bei Kindern unter 2 Jahren.

 

Intrakutantest

 

Intrakutantests mit Nahrungsmittelallergenen (Einspritzen von Proben unter die Haut) führen zu höherer Sensitivität auf Kosten der Spezifität. Zugleich steigt die Gefahr schwerer Nebenwirkungen. Deshalb werden i.c.-Tests im Rahmen der allergologischen Nahrungsmitteldiagnostik nicht angewendet.

 

Labortest

 

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Labortest

Bestimmung Allergie-spezifischer Antikörper (Immunglobuline) der Klasse "E" (IgE) aus einer Blutprobe. 

Andere immunchemische Testverfahren kommen nur in speziellen Fällen zur Anwendung.

Ein Labortest allein gibt noch keine verlässliche Auskunft über das Vorliegen einer Nahrungsmittelallergie!

 

Testspektrum

 

Testspektrum

Die Tabelle zeigt ein mögliches Routinespektrum gängiger Nahrungs- mittel zur allergologischen Testung:

 

 

Haselnuss

Roggenmehl

Hühnerei

Schweinefleisch

Erdnuss

Orange

Kuhmilch roh

Apfel

Mandel

Zitrone

Scholle

Erdbeere

Walnuss

Banane

Hühnerfleisch

Sojabohne

Weizenmehl

Sellerie

Rindfleisch

Kakao

 

 

Nicht alle Nahrungsmittel sind zur Durchführung eines Hauttests geeignet. Neben industriell hergestellten Lösungen können auch native (natürliche, nicht aufbereitete) Proben verwendet werden. Die Aussagekraft der Testergebnisse solcher Proben ist jedoch umstritten.

 

Provokationstest

 

 

 

 

 

 

 

 

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Provokationstest

Die perorale Exposition im Doppelblindversuch stellt den gold standard der in vivo-Diagnostik von Nahrungsmittelunverträglichkeiten dar. Dem eigentlichen Test muss eine mindestens zweiwöchige Eliminationsdiät vorangehen. Aufgrund möglicher ernster Nebenwirkungen kann der Provokationstest nur unter stationären Bedingungen und notfallmedizinischer Vorsorge stattfinden. 

Getestet werden bevorzugt lyophilisierte Einzelstoffe in neutralen Kapseln. - Die Testung von Nahrungsmittelzusatzstoffen ist in der täglichen Routine nicht sinnvoll. Dennoch gibt es auch für diese Zwecke aufbereitete Testkapseln, z.B. für Farbstoff-Mix, Sorbinsäure, Na-Glutamat, Salizylat usw.

Quelle: Allergietagung Wien 15.09.2001

 

Diäten: Übersicht

 

Diätetisches Vorgehen

Diäten im Zusammenhang mit Nahrungsmittelallergien bzw. -unverträglichkeiten haben sowohl diagnostischen als auch therapeutischen Charakter (s. Tab.). Manche Diätschemata müssen nur zeitweise eingehalten werden; andere langfristig. In jedem Fall soll das Leben des Patienten durch eine Diät leichter werden, nicht schwerer und kompliziert: Daher wird ein pragmatisches Vorgehen empfohlen. Polyvalente Verbotsdiäten, die eine ausgeglichene Ernährung de facto unmöglich machen, sind kaum je indiziert und sollten tunlichst vermieden werden. 

 

 

Aufbaudiät

Beginn Reis + Tee; sodann schrittweise Zufügung weiterer Nahrungsmittel

Eliminationsdiät

Symptome klingen ab nach Weglassen des auslösenden Nahrungsmittels

Fleischlose Diät

Nur selektiver Verzicht zu empfehlen

Glutenfreie Diät

Dauerhaft bei Zöliakie

Histaminarme Diät

Dauerhaft bei Histaminintoleranz

Nickelarme Diät

Fragliche Durchführbarkeit

Salicylatarme Diät

Bei ausgeprägter Salizylatallergie bzw. -intoleranz

Suchdiät

Provoziert Symptome durch gezielte Exposition (nur stationär durchführbar)

Polyvalente Verbotsdiät

Zahlreiche Nahrungsmittel verboten. Schwer durchführbar, kostenintensiv, kaum indiziert

Vegane Diät

Streng vegetarisch unter Verzicht auf Fleisch, Milch- und Eiprodukte: obsolet!

Zuckerarme Diät

Laktosearme Diät bei Laktoseintoleranz

Fructosearme Diät bei Fructoseintoleranz

 

Spezielle Diäten

 

Spezielle Diäten: Details

 

Urticaria-Aufbaudiät

 

Aufbaudiät bei Nesselsucht (Urticaria)

 

 

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Tag 1-2

Reis und Tee

Tag 3

Kohlenhydrate (Brot), Margarine

Tag 4

Kartoffel

Tag 5

Gemüse (außer Tomaten, Spinat);

Banane, Birne, Apfel (nicht roh)

Tag 6

Teigwaren

Tag 7

Milchprodukte

Tag 8

Mageres Fleisch

Tag 9

Schonkost (ohne Wurst); Fisch, Ei, Hartkäse

 

 

Die bisher vertragenen Nahrungsmittel werden beibehalten; Tag für Tag kommen neue Nahrungsmittel hinzu. Auf stets frische Nahrung ist zu achten!

 

Histaminarme Diät

 

Histaminarme Diät (n. Wantke, Götz, Jarisch)

 

 

Zu meiden sind größere Mengen an Nahrungsmitteln mit hohem Histamingehalt:

 

 

Fisch:

Thunfisch, Sardinen;

Käse:

Emmentaler, holländischer Gouda

Fleischwaren:

Salami; Osso collo

Gemüse:

Sauerkraut, Spinat, Tomaten

Sonstiges:

Schokolade

 

 

Alkoholische Getränke:

Zu meiden sind eher Rotweine als Weißweine, und bestimmte Sektsorten; naturtrübe Biere, halbvergorene Getränke.

 

Nickelarme Diät

 

Nickelarme Diät (n. Bresser)

 

 

Fragliche Sinnhaftigkeit, nickelfreie Diät nicht wirklich durchführbar.

Zu meiden sind: Hülsenfrüchte, Soja, Spinat, Hafer, Kleie, Meeresfrüchte, Schokolade, Kakao, Himbeere.

 

Salicylatarme Diät

 

Salicylatarme Diät

 

 

Meidung:

Erlaubt:

Kartoffel

Gurken

Fleisch

Sellerie

Äpfel

Tomaten

Geflügel

Salat

Steinobst

Pfeffer

Fisch

Spinat

Beerenobst

Rotwein

Kohlenhydrate

Zwiebel

Zitrusfrüchte

Bier

Karotten

 

Essig

 

Knoblauch

 

 

Therapie:

Meidung

 

Therapie der Nahrungsmittelallergie bzw. -unverträglichkeit

Grundlage jeder Therapie ist die Meidung des auslösenden Nahrungsmittels (bzw. des auslösenden Zusatzstoffes). Dies fällt leicht bei einzelnen Nahrungsmitteln (z.B.: Hummer), jedoch schwerer bei vielfältig vorkommenden Nahrungsmitteln (z.B. Nüsse, als häufiger Inhaltsstoff von Backwaren). 

Lässt sich kein spezifisches Nahrungsmittel als Auslöser finden, so gilt die subjektive Verträglichkeit als Maß.

Im Falle einer Allergie muss auf das entsprechende Nahrungsmittel langfristig (ev. lebenslang) verzichtet werden. Im Falle einer Unverträglichkeit besteht die Möglichkeit, dass das betreffende Nahrungsmittel später wieder - ev. in kleinen Mengen - vertragen wird.

Nach Elimination bestimmter Nahrungsmittel ist trotzdem weiterhin auf ausgeglichene Ernährung zu achten. Im Einzelfall sollte Rücksprache mit dem betreuenden Arzt gehalten werden. 

Über das Ergebnis einer allergologischen Austestung  informiert ein schriftlicher Befund (Arztbrief, Allergiepass), welcher beim Patienten verbleibt. 

 

Akuttherapie

 

Eine akute klinische Symptomatik erfordert üblicherweise eine umgehende immunsuppressive Therapie mit nachfolgend eng- maschiger Kontrolle. Meist klingen die Symptome binnen weniger Tage ab. Nur in schweren Fällen (z.B. Anaphylaxie) sind stationäre Therapie, Observanz, ggf. sogar intensivmedizinische Betreuung erforderlich.

 

Häufige Fragen

 

Häufige Fragen

 

 

Patienten mit Pollenallergien (Heuschnupfen) haben oft auch eine kreuzreaktive Nahrungsmittelallergie. Bessert sich diese, wenn gegen den Heuschnupfen eine Impftherapie (Hyposensibilisierung) durchgeführt wird?

 
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Ein Besserungseffekt der Kreuzallergie ist meist nicht zu erwarten.

 

 

In welchem Alter sollen Kinder allergologisch getestet werden?

 
 

Allergietests sind zwar prinzipiell im Kleinkindesalter möglich. Da sich während der ersten Lebensjahre die allergologische Situation aber ändern kann, erscheint üblicherweise ein Test erst ab dem 7. Lebensjahr sinnvoll.

 

 

Dürfen Patienten, die eine inhalative Allergie (Heuschnupfen) gegen Gräser und Roggenpollen haben, dennoch Roggenbrot essen?

 
 

Dies hängt von der subjektiven Verträglichkeit ab. Sollten allergolo- gische Beschwerden nach Genuss von Roggenbrot auftreten, ist es diätetisch zu meiden.

 

 

Müssen wir uns vor dem Essen fürchten?

 
 

Nein! Wesentlich sind: seriöse Diagnostik, Prüfen der subjektiven Verträglichkeit, und ein pragmatisches Vorgehen. Essen soll Freude bereiten, nicht Angst.

 

 

Können Nahrungsmittelallergien wieder abklingen?

 
 

Ja. Im Kindesalter aufgetretene Nahrungsmittelallergien klingen häufig bis zum Erwachsenenalter wieder ab. Es können jedoch andere Allergien hinzukommen.

 

 

Vermindert längerfristiges Stillen die Entwicklung späterer Allergien des Kindes?

 
 

Nein, ein dauerhafter Effekt ab dem 2. Lebensjahr lässt sich nicht nachweisen. Umgekehrt bedeutet längerfristiges Stillen jedoch eine erhöhte Belastung für die Mutter.

 
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Quellen:

1.  American Academy of Allergy and Immunology: Position statement: controversial techniques. J All Clin Immunol 1981; 67: 333

2.  American Academy of Allergy and Immunology: Position Statement: candidiasis hypersensitivity syndrome. J All Clin Immunol 1986; 78: 271

3.  Bell IR: Clinical ecology: A new medical approach to environmental illness. Bolinas, Calif, 1982, Common Knowledge Press

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7.  Crook WG: The Yeast Connection. A Medical Breakthrough. Professional Books, 3. Aufl., Jackson / Tennessee 1989

8.  Dismukes WE, Wade JS, Lee JY et al.: A randomized, double-blind trial of nystatin therapy for the candidiasis hypersensitivity syndrome. N Engl J Med 1990; 323: 1717

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10. Feingold B: Why your child is hyperactive.  New York, 1975, Random House.

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13. Katz SI: Dermatitis herpetiformis. In: Fitzpatrick, Dermatology in General Medicine, Vol I, Kap.56 (636-641). McGraw-Hill, 4.Aufl. 1993  

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19. Terr AI: Unconventional theories and unproven methods in allergy. In: Middleton, Allergy - Principles and Practice. Vol II, Kap. 71, 1767-1793.  Mosby, 4. Aufl. 1993

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