Dr. Michael Hörner      
      FA FÜR DERMATOLOGIE, VENEROLOGIE, ALLERGOLOGIE      
      Hütteldorfer Straße 117 / 9  A-1140 Wien      
       
       
 

INSEKTEN UND INSEKTENGIFTE

Über Insekten, ihre Gifte und allergische Wirkungen

 

Druckvariante
 

Wege zur Allergisierung

 

 
 

Wirkung der Insektengifte

 

 
 

Biene

 

 
 

Wespe

 

 
  Hummel    
 

Hornisse

 

 
 

Andere Insekten

 

 
  Konsequenzen    
 

Mehr Information zu diesen Themen:

 

 
       
       

 

Wege zur Allergisierung

 

 

Einleitung

 

Insekten kommen auf der ganzen Welt vor. Sie sind - im Freien ebenso wie im Hause - ständige und enge Begleiter des Menschen.  Dabei betrachten wir sie einmal als Nützlinge (in der Bestäubung von Blüten), ein anderes Mal als Schädlinge (Stechmücken). - So ist es nicht verwunderlich, dass auch aus allergologischer Sicht zahlreiche Insekten für uns eine Rolle spielen.

Dabei können Allergien auf mehreren Wegen entstehen:

   

Allergenquellen

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Giftstachel der Hautflügler (Hymenopteren)

Speichel der Blutsauger

Inhalative Allergene (Epithelien)

Orale Aufnahme als Nahrungsmittel (verunreinigter Honig)

   

Giftstachel

 

Giftstachel

Der „Stachel“ ist in Wahrheit ein Paar in einer Scheide verborgener Stechborsten, die sich durch alternierende Bewegung in die Haut einarbeiten. Dabei wird aus einem Giftsack ein Substanzgemisch eingebracht, welches im Sinne der Feindabwehr sofort wirken soll (s.u.: Wirkung der Insektengifte)

 

 

Blutsauger

 

 

 

 

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Speichel der Blutsauger

Stechmücken und andere Blutsauger injizieren sie kein Gift zur Feindabwehr. Vielmehr gelangen beim Saugakt Allergene aus Speichelsubstanzen in die Haut des Wirts. Sie können - selten - allergische Reaktionen bewirken (Typ 1, Sofortreaktion; bzw. Typ 4, verzögerte Reaktion). Anaphylaxien (schwere allergische Reaktionen mit Kreislaufversagen) sind kaum zu erwarten. Weitere Information: s.u.

 

 

Inhalative Allergie

 

Inhalative Allergie

Durch regelmäßigen Kontakt zu Insekten, z.B. berufsbedingt in Zuchtbetrieben, kann es auch zu einer inhalativen Allergisierung kommen. Deren Symptome gleichen jenen einer Pollenallergie, wobei es zu Reizungen der Schleimhäute von Auge, Nase und ev. Atemwegen kommen kann (Rhinitis, Coniunctivitis, ev. Asthma bronchiale).

   

Honig

 

Perorale Sensibilisierung durch Honig

Honig - erzeugt vom Organapparat der Bienen - besteht hauptsäch- lich aus einem Zuckergemisch (Nektar, Honigtau). Daneben finden sich jedoch zahlreiche Verunreinigungen, die zu allergischen Reaktionen führen können:

   

 

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Pollen

Bienensekrete, Bienenpartikel

sonstige organische Verunreinigungen

   

 

Wirkung der Insektengifte

 

 

Lokalreaktion

 

Lokalreaktion

Insektengifte enthalten eine Vielzahl irritierender und gewebe- schädigender Substanzen (s.u.: Zusammensetzung von Bienengift, Wespengift). Bereits der Stich ist stark schmerzhaft. 

Die toxische Lokalreaktion führt rasch zu Rötung, juckenden Quaddeln, Entzündung, Schwellung, ev. Blasenbildung, lokalem Hitzegefühl. Die Akutsymptome erreichen binnen Minuten bis Stunden ein Maximum. Bleibende Gewebeschäden (Nekrosen) sind möglich. Schwellungen in Gelenksnähe können die Beweglichkeit einschränken.

Das Abklingen der Symptome kann Tage dauern.- Gefährlich sind Insektenstiche im Bereiche von Lippen, Mundhöhle, Rachen oder Kehlkopf; da die resultierende Schwellung zu akuter Atemnot führen kann. In diesem Fall ist sofortige ärztliche Behandlung erforderlich!

   

Allgemeinreaktion

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Allgemeinreaktion

Insektengifte enthalten auch systemisch wirkende Substanzen, die auf Atemwege und Kreislauf wirken können. Zudem bewirken Insektengifte, dass körpereigene Mastzellen entzündungsfördernde Stoffe ausschütten, die in ihrem Zellinneren gespeichert liegen.

Abhängig von der Giftmenge bzw. individuellen Reaktionsbereitschaft, können daher neben der Lokalreaktion auch allgemeine Symptome auftreten. Diese können jenen der allergischen Reaktion ähnlich sein (generalisierte Nesselsucht, Schwellungszeichen, Kreislauf- probleme), doch liegt ihnen ein anderer - toxischer - Mechanismus zugrunde.

Mastozytose

Erhöhte Reaktivität auf Insektengifte findet sich häufig bei Patienten mit bekannter Mastozytose. Diese Patienten verfügen über eine deutlich höhere Zahl von Mastzellen, welche im Falle eines Insektenstichs degranulieren (gewebsaktive Substanzen ausschütten) können.  Auch ohne Vorliegen einer Allergie benötigen solche Patienten ein Notfallset !

 

 

Allergie

 

Allergie

Einige Inhaltsstoffe der Insektengifte können zu einer Sensibilisierung führen, welche die Grundlage zur Entstehung einer Allergie darstellt. Dabei handelt es sich meist um eine Allergie Typ 1 (Sofortreaktion) nach Gell und Coombs. Erst beim nächsten Stich der gleichen Insektenart kommt es binnen Minuten zur Ausprägung allergischer Symptome; diese können umfassen:

   

 

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Hautrötung (flush-Symptomatik)

Juckender Nesselausschlag (Urticaria)

Schwellungen einzelner Körperpartien, unabhängig von der Stichstelle (Quincke-Ödem);

Magenbeschwerden, Durchfall, Kolik

Atembeschwerden

im Extremfall: Schweißausbruch, Blutdruckabfall verbunden mit Pulsanstieg, drohendes Kreislaufversagen (Anaphylaxie). Ein anaphylaktischer Schock kann tödlich enden!

   

 

 

Das Sensibilisierungsrisiko steigt naturgemäß mit der Zahl erfolgter Expositionen. Es ist nicht erhöht bei Atopikern, die an und für sich zur Ausbildung von Typ 1-Reaktionen neigen. 

   

 

Biene

 

 

Charakteristika

 

Apis mellifica (Honigbiene); Apis caucasica (Kaukasische Biene)

Ordnung: Hymenoptera; Familie: Apoidea

Die Biene hat einen behaarten Körper, ist kleiner und schlanker als Hummeln. Nach einem Stich verbleibt der Stechapparat (mit angehängter Giftdrüse) in der Haut des Patienten. Dennoch kann aus dem Auffinden eines Stachels nicht sicher auf die Herkunft des Tieres geschlossen werden. Für die Biene bedeutet die eigene Verletzung dabei den Tod. 

 

Biene

Biene. Zum Vergrößern Anklicken. Bild: ALK-Abelló

Bienengift

 

Tab.: Einige Inhaltsstoffe des Bienengifts 

xxxx.(n.: Forck; Przybilla; Yunginger)

 

 

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Substanz

Allergen

Eigenschaften

Proteine

Phospholipase A2

Api m I

Zellauflösung, Kontrakt. glatte Muskulatur, Spreading (Verbreitungseffekt)

Hyaluronidase

Api m II

Proteolyse (Eiweißzersetzung), Spreading

saure Phosphatase

Api m IV

Esterase (Allergen B)

Peptide

Mellitine

Api m III

Zytolyse

Apamin

 

Neurotoxizität (Nervengift)

Degranulierende Peptide

 

Freisetzung entzündungsförd. Mediatoren

Niedermolekulare Mediatoren

Histamin

 

Gefäßerweiterung, Kontrakt. glatte Muskulatur,

Schwellung, Juckreiz, Sekretion

Kinin

 

Entzündung, Schmerz

Leukotriene

 

Verengung d. Atemwege und Blutgefäße,

Anlockung von Entzündungszellen

Dopamin

 

Herz- Kreislaufwirkung

Noradrenalin

 

Herz- Kreislaufwirkung

 

 

 

 

Trotz mancherlei Ähnlichkeiten im Aufbau von Bienen- und Wespengift besteht gewöhnlich keine Kreuzallergie zwischen diesen Giften. Sensibilisierungen entwickeln sich meist gegen die höhermolekularen Major allergens, wie Phospholipase A2 und Hyaluronidase; ev. auch gegen Minor allergens, wie Mellitin und Apamin.

Imker erleiden berufsbedingt zahlreiche Bienenstiche. Es kommt bei ihnen mit der Zeit zur Ausbildung einer Toleranz, offenbar im Sinne einer „natürlichen“ Hyposensibilisierung.

 

 

 

Wespe

 

 

Charakteristika

 

Vespula vulgaris, Vespula germanica; Polistes (Feldwespen)

Ordnung: Hymenoptera; Familie: Vespoidea

Charakteristisch sind Wespentaille und schwarz-gelbe Färbung. 

Der Wespenstachel verbleibt nach einem Stich gewöhnlich nicht in der Haut. Dennoch kann aus dem Auffinden eines Stachels nicht sicher auf die Herkunft des Tieres geschlossen werden.

Innerhalb der Wespenarten besteht eine hohe Rate an Kreuzreak- tivitäten auf Wespengifte.

 

Wespe

Wespe. Zum Vergrößern Anklicken. Bild: ALK-Abelló

Wespengift

 

Tab.: Einige Inhaltsstoffe des Wespengifts 

xxxx.(n.: Forck; Przybilla; Yunginger)

 

 

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Substanz

Allergen

Eigenschaften

Proteine

Phospholipase A1,

Phospholipase B

Dol m I

Zellauflösung, Kontrakt. glatte Muskulatur, Spreading (Verbreitungseffekt)

Hyaluronidase

Dol m II

Proteolyse (Eiweißzersetzung), Spreading

saure Phosphatase

Dol m III

Esterase (Allergen B, Enzymwirkung)

Antigen 5

Dol mV

Esterase (Enzymwirkung)

Cholinesterase

 

Esterase (Enzymwirkung)

Histidin-Dexarboxylase

 

erzeugt Histamin (s.u.) aus Histidin

Peptide

Prohaemolytica

 

Zellauflösung

Degranulierende Peptide

 

Freisetzung entzündungsförd. Mediatoren

Niedermolekulare Mediatoren

Histamin

 

Gefäßerweiterung, Kontrakt. glatte Muskulatur,

Schwellung, Juckreiz, Sekretion

Wespen-Kinine

 

Entzündung, Schmerz

Serotonin

 

Wirkung auf Bronchien und Blutgefäße

Leukotriene

 

Verengung d. Atemwege und Blutgefäße,

Anlockung von Entzündungszellen

Dopamin, Adrenalin,

Noradrenalin

 

Herz- Kreislaufwirkung (adrenerg)

Acetylcholin

 

Herz- Kreislaufwirkung (cholinerg)

 

 

 

 

Trotz mancherlei Ähnlichkeiten im Aufbau von Bienen- und Wespengift besteht gewöhnlich keine Kreuzallergie zwischen diesen Giften.

Polistes (Feldwespen) verfügen über eine zusätzliche Serinprotease mit allergener Potenz. Es besteht nur eine eingeschränkte Kreuzreaktivität mit Giften der Vespula. In Österreich finden sich (fast) nur Kreuzsensibilisierungen. Eigenständige Allergien gegen das Gift von Polistes kommen eher in südlichen Ländern vor (Mittelmeergebiete).

 

 

Therapie

 

Meidung der Exposition; besonders die Herbstzeit erscheint kritisch. Hyposensibiliiserung gegen das Gift von Vespula ist möglich. Gegen das Gift von Polistes steht dzt. nur ein American Mix zur Verfügung.

 

 

  Hummel  

 

Charakteristika

 

Bombus terrestris, europäische Hummel; Megabombus

Ordnung: Hymenoptera; Familie: Apoidea

Behaarter Körper, plumper und größer als Bienen. Hummeln können zwar ebenfalls stechen, gelten jedoch als wenig aggressiv. Das Gift der Hummeln ist ähnlich zu bewerten wie Bienengift (s.o.).

Spezifische Allergien kommen nur selten vor; am ehesten bei berufsbedingter Exposition (Gärtner). Kreuzsensibilisierungen bei Bienengiftallergikern wurden hingegen beobachtet. Hyposensibili- sierungen mit Hummelgift wurden durchgeführt. Eine kreuzreaktive Besserung der spezifischen Allergie nach Verwendung von Bienengift scheint jedoch nicht in allen Fällen gegeben. 

 

Hummel

Hummel. Zum Vergrößern Anklicken. Bild: ALK-Abelló

 

Hornisse

 

 

Charakteristika

 

 

 

 

 

 

 

 

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Vespa crabro.

Ordnung: Hymenoptera; Familie: Vespoidea

Hornissen - gleich Wespen - zeichnen sich durch Taillierung des Körpers und schwarz-gelbe Schreckfärbung aus. Hornissen werden bis zu 4 cm lang. 

Das Gift der Hornisse ähnelt jenem der Wespe (s.o.). Hornissengift enthält zudem bis zu 5% herzwirksames Acetylcholin. Ein Stich injiziert das mehrfache einer Menge des Wespengifts, weswegen die lokalen und allgemeinen Symptome stärker ausfallen können. 

Aufgrund der höheren Giftmenge sowie der Konzentration des Acetylcholins müssen Herzpatienten nach einem Hornissenstich observiert werden!

 

Hornisse

Hornisse. Zum Vergrößern Anklicken. Bild: R.Altenkamp auf Wikipedia. Lizenzen:

GNUFDL, CreativeCommons

 

 

Andere Insekten

 

 

Feuerameise

 

Feuerameise

Ordnung: Hymenoptera; Familie: Formicoidea

Auch Ameisen zählen zu den Hautflüglern. Dies ist nicht unlogisch, denkt man die temporäre Existenz geflügelter Drohnen.

Die Feuerameise (Solenopsis invicta, die "Unbesiegte") ist eine aggressive Ameisenart. Sie wurde 1930 aus Südamerika nach Nordamerika eingeschleppt und verbreitet sich dort kontinuierlich. Mittlerweile findet sie sich auch auf dem afrikanischen Kontinent, in europäischen Mittelmeerländern und entlang der Schwarzmeerküste.

Ihr Gift führt zu toxischen Hautreaktionen, Todesfälle durch anaphylaktische Reaktionen kommen vor. 

Therapie: Hyposensibilisierung mit Ganzkörperextrakten möglich.

 

 

Heimische Ameisen

 

Heimische Ameisenarten

Die heimischen Arten der Weg- und Holzameisen (Lasius niger, Lasius flavus) verfügen lediglich über abdominelle Giftdrüsen zur Sprühabwehr bei reduziertem Stachelapparat; daneben über Mandibelgifte. Diese bestehen vor allem aus Ameisensäure und Ketonen. Ihre gesundheitlichen Auswirkungen (entzündliche Lokalreaktionen) sind vergleichsweise harmlos.

 

 

Blutsauger

 

 

 

 

 

 

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Blut saugende Insekten

Die Einwirkung durch Saugapparate der Stechmücken, Bremsen, Flöhen, Raubwanzen u.a. Blut saugenden Insekten führt zu teils geringen, teils stärker ausgeprägten entzündlichen Lokalreaktionen. 

Das Bild rechts zeigt die Hand des Patienten nach Nächtigung in einem sauber wirkenden Hotel an der Mittelmeerküste. Über Nacht kam es zu ca. 100 Stichläsionen an beiden Händen. Die auslösenden Insekten blieben unsichtbar. Verdacht: Wanzenbisse. -

Es kommt nur selten zu Allergisierungen, am ehesten Typ 1 (Sofortreaktion) oder Typ 4 (Spätreaktion). Häufige Exposition kann jedoch - ähnlich Bienenstichen beim Imker - zu einer „natürlichen“ Hyposensibilisierung mit verminderter Reaktivität führen. Versuche einer Hyposensibilisierung mit Ganzkörperextrakten aus Stech- mücken waren bisher unbefriedigend.

Blut saugende Insekten können allerdings über infektiöse Keime in die Haut einbringen, z.B. Borrelien.

Manchmal verbleibt im Gefolge eines Insektenstichs ein dauerhafter, bräunlicher, nicht juckender Knoten in der Haut. Ob dieses Granulom (oder Histiozytom) als Endpunkt einer allergischen Gewebsreaktion oder einer lokalen Infektion zu bewerten ist, ist nicht gänzlich geklärt.

 

 

Insektenstiche

Hand, multiple Insektenstiche. Zum Vergrößern Anklicken. Bild: Hörner

Sonstige Insekten

 

Sonstige Insekten

Prinzipiell kann es zu Allergisierungen gegen zahlreiche andere Insekten kommen; besonders bei häufigem Kontakt. Zu diesen Insekten zählen auch:

Fliegen, Schaben, Heuschrecken, Mehlkäfer, Seidenspinner etc -

Eine vorbestehende Atopie fördert ggf. die Entstehung solcher Allergien.

 

 

  Konsequenzen  

 

Anamnese

 

Anamnese

Toxische und allergologische Reaktionen erfordern auch im Falle der Insekten eine genaue Anamnese: 

 

 

 

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Welches Insekt hat die Symptome ausgelöst?

Wie viele Insekten haben gestochen?

Verblieb ein Insektenstachel in der Haut? (Keine sichere Aussage!)

Welche Symptome traten auf?

In welcher zeitlichen Folge traten die Symptome auf?

Kam es zu Kreislaufschwäche, Ohnmacht, Herzrhythmusstörungen?

Wurde eine Akutmedikation verwendet?

In welchem Zeitraum klangen die Symptome ab?

Bestehen Spuren einer dauerhaften Gewebsveränderung?

Hat sich später an der Stichstelle ein violetter Fleck entwickelt, der langsam größer wird?

   

Austestung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Austestung

In der täglichen Praxis werden meist Typ 1-Allergien gegen Bienen- und Wespengift ausgetestet. Da keine Kreuzreaktivität besteht, werden Bienen- und Wespengift getrennt getestet. Die Austestung umfasst - analog zur Austestung der inhalativen Allergien - einen Hauttest und einen Labortest. 

Im Falle der Insektengifte wird jedoch VOR dem Hauttest ein Labortest durchgeführt (Bestimmung spezifischer IgE-Antikörper). An seinem Ergebnis orientiert sich die Testkonzentration der Hauttests. Im Zuge des folgenden Hauttests werden verdünnte Allergenproben auf den Unterarm aufgebracht. Sodann wird die Haut geritzt: Entsteht binnen 15 min. ein juckender Herd ("Quaddel"), besteht der Verdacht auf spezifische Allergie.

 

 

Meidung

 

Meidung

Wichtigste Maßnahme gegen Insektenstiche und -bisse ist die Meidung. Allergiker mögen sich von Risikogebieten (Wespennester, Bienenstöcke) fernhalten. Der Gebrauch Insekten-abweisender Repellentien ist anzuraten. Vorsicht bei halb gefüllten, offen stehenden Getränkedosen: Dort hinein verirren sich nicht selten Wespen!

 

 

Therapie

 

Therapie der Lokalreaktion

Lokal: Kühlende Umschläge; Hochlagerung; antiphlogistische Creme bzw. externes Corticoid. Blasen steril eröffnen, Blasendecke belassen. Verbände bei Ödemen der Extremitäten erst ab dem 2.-3. Tag: Nicht zu großer Kompressionsdruck, um Gewebsschäden zu vermeiden.

Systemisch - je nach Erfordernis: Antihistamine, Antiphlogistica, abschwellende Medikation (als Tabletten).

   

 

 

Therapie der nicht-allergischen Allgemeinreaktion

Rasche ärztliche Begutachtung. Aufgrund der Ausmaßes der toxischen Reaktion steht eine systemische Therapie im Vordergrund:

Nach Erfordernis (wenige Tage) Cortison in absteigender Dosis unter Magenschutz; Antihistamin parenteral, später peroral durch einige Tage. Abschwellende Medikation. Engmaschige ärztliche Kontrolle.

Lokaltherapie begleitend: Bei Nesselausschlag ev. Corticoid- Schüttelmixtur durch 1-2 Tage. 

Bei Herz-Kreislaufbeschwerden stationäre Observanz bis zum Abklingen der Beschwerden.

   

 

 

Therapie der allergischen Reaktion

Der folgende Absatz gibt die Eckpunkte des prinzipiellen ärztlichen Vorgehens zur Behandlung einer Anaphylaxie an. Weitere Informationen sind einschlägigen Vorschriften zu entnehmen.

Umgehende ärztliche Begutachtung! Schocklage, venösen Zugang schaffen, NaCl 0,9% 500 ml Infusion; ggf. Sauerstoff. 

Antihistamin, Cortison, H2-Blocker parenteral. 

Bei Bronchokonstriktion: Bronchodilatantien parenteral.

Wiederholte Messung von Puls und Blutdruck. Gesprächskontakt aufrechterhalten.

Bei drohender Anaphylaxie (Kreislaufversagen):

Adrenalin 1:10.000  0,3-0,5 (-1,0) ml langsamst (!) i.v., unter beständiger Kontrolle von Puls, Blutdruck und EKG. Observatio mind. 24 Stunden.

   

Notfallset

 

Notfallset

Kommt es nach einem Insektenstich zu einer allergischen Reaktion, könnte der Weg zum nächsten Arzt dennoch weit sein. Patienten, bei denen eine Allergie gegen Bienen- oder Wespengift nachgewie- sen wurde, erhalten daher (meist im Frühjahr) ein sog. Notfallset. Dieses enthält folgende Bestandteile:

   

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Antihistamintabletten oder -Tropfen

Cortison-Tabletten

Adrenalin-Autoinjektor (Einmaldosis), zur Selbstanwendung durch Patienten: Nur im Falle drohenden Kreislaufversagens bzw. Anaphylaxie!

   

 

 

Wichtig: Nach Gebrauch des Notfallsets soll dennoch umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Allergische Symptome können innerhalb mehrerer Stunden wiederholt auftreten!

Selbstverständlich erhalten auch jene Patienten ein Notfallset, die aus anderen Gründen zu ausgeprägten allergischen Sofortreaktionen neigen.

Patienten mit Mastozytose sollen ebenfalls ein Notfallset mit sich tragen (s.o.).

   

Hyposensibilisierung

 

Hyposensibilisierung

Um künftige schwere allergische Reaktionen gegen Bienen- und Wespengift zu vermeiden, steht als einzige kausal wirksame Methode die spezifische Immuntherapie (SIT, Hyposensibilisierung) zur Verfügung. Die Immuntherapie muss für beide Gifte getrennt durchgeführt werden.

Es gibt mehrere Impfschemen, die sich im zeitlichen Ablauf und in der Dosis unterscheiden:

   

 

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Langsames Impfschema: Vorsichtige Dosissteigerung, entsprechend SIT bei anderen Typ 1-Allergien

Verkürztes Impfschema: Bei gegebener Verträglichkeit. Raschere Dosissteigerung in kürzeren Intervallen.

Rush-Hyposensibilisierung: in dringend erforderlichen Fällen, um Gefahr durch den nächsten möglichen Insektenstich abzuwenden. Durchführung nur unter stationärer Observanz. Applikation in kurzen Intervallen, Erreichen der Höchstdosis binnen weniger Tage.

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Dank

 

Nachwort

Zahlreiche interessante Informationen zu diesem Thema verdanke ich Herrn Univ.Doz. Dr. Wolfgang Hemmer vom Floridsdorfer Allergiezentrum (Leitung: Univ.Prof. Dr. Jarisch). 

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Quellen:

1.   Barnetson RSC, Gawkrodger D: Überempfindlichkeit - Typ 4-Reaktion. In: Roitt IM, Brostoff J, Male DK: Kurzes Lehrbuch der Immunologie, Kap. 22, S 295-493. Thieme, 2.Aufl. 1991

2.   Brostoff J, Hall T: Überempfindlichkeit - Typ 1-Reaktion. In: Roitt IM, Brostoff J, Male DK: Kurzes Lehrbuch der Immunologie, Kap. 19, S 253-273. Thieme, 2.Aufl. 1991

3.   Forck  G, Kalveram K-J: Insektenallergie. In: Fuchs/ Schulz, Manuale allergologicum V.17.1; 1-7 ; Dustri-Verlag 1990

4.   Hemmer W, Floridsorfer Allergiezentrum (FAZ) Vortrag 2006: "Allergie-auslösende Insekten"

5.   Kleine-Tebbe J, Hebenstreit S, Jeep S et al.: Allergen­aktivität von Wespengiftextrakten bei der Histaminfrei­setzung aus basophilen Leukozyten. Allergologie 1992 (4); 15: 120-128

6.   Mehlhorn B, Mehlhorn H: Zecken, Milben, Fliegen, Schaben. Springer, 2. Aufl. 1992

8.   Pirker C, Koller DY, Rosenkranz AR et al.: Mücken­stichallergie. Hautarzt 1992 (1); 43: 1-3

9.   Przybilla B: Bienen- und Wespengiftallergie. Hautarzt 1993 (9); 44: 611-622

10. Wilson AB, Deighton J, Lachmann PJ, Ewan PW: A comparative study of IgG subclass antibodies in patients allergic to wasp or bee venom. Allergy 1994 (4); 49: 272-280

11. Yunginger JW: Insect allergy. In: Middleton, Allergy - Principles and Practice. Vol II, Kap. 59, 1511-1524. Mosby, 4. Aufl. 1993

 

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