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Dr. Michael HÖRNER
 

Facharzt für Dermatologie, Venerologie und Allergologie

1140 Wien, Hütteldorfer Straße 117 / 9

 

www.hautarzt-hoerner.at   mail: praxis@hautarzt-hoerner.at   T: 01/789 26 54

 

   
 

NAHRUNGSMITTELALLERGIE

NAHRUNGSMITTELINTOLERANZ

Auch Nahrungsmittel sind immunologische Fremdstoffe: Die wichtigsten Eckdaten

 
   
Nahrungsmittel  
Allergische Reaktion  
Unverträglichkeitsreaktionen  
Konsequenzen  
   
Nahrungsmittel  
 

Woraus die Nahrung besteht

Wir brauchen Nahrungsmittel! Gesunde, frische, ausgeglichene Kost liegt uns am Herzen. Diese stammt aus pflanzlichen und tierischen Quellen. Sie besteht üblicherweise aus ca. 60% Kohlen- hydraten (Zucker und Stärke), 30% Proteinen (Eiweißstoffen) und 10% Fetten. Dazu gesellen sich Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Gewürze und Geschmacksstoffe. Industriell gefertigte Nahrung enthält zudem ein Spektrum an Zusatzstoffen (s.u.).

 
 

Die individuelle Verträglichkeit

Nicht für jeden Menschen ist jedes Nahrungsmittel bekömmlich oder verträglich. Das hat meist subjektive Gründe, und es schadet keineswegs, hier auf seine "innere Stimme" zu hören. Manchmal muß aus medizinischen Gründen eine bestimmte Diät eingehalten werden (s.u.). Dabei ist streng zu trennen zwischen echten Nahrungsmittelallergien, und nicht-allergologischer Unverträglichkeit.

 

Allergische Reaktion

 
 

Wie entsteht eine Allergie?

Allergie bedeutet eine erworbene Fehlfunktion des Immunsystems. Dieses richtet sich gegen bisher verträgliche Fremdantigene und führt zu einer krankmachenden Entzündungsreaktion.

Voraussetzung zur Entstehung einer Allergie ist eine vorangegangene Sensibilisierung: Sei es direkt (durch frühere Aufnahme des Nahrungsmittels), oder indirekt über eine Kreuzallergie (s.d.). 

Nahrungsmittel stellen grundsätzlich Fremdstoffe dar, deren Nutzen und Aufnahme erst nach Aufbereitung im Verdauungstrakt möglich wird. Manche Fremdantigene werden dabei zerstört (denaturiert); andere jedoch bleiben intakt und können als krankheitsauslösende Allergene wirken.

 
 

Kreuzallergien

Ein besonderes Phänomen der Nahrungsmittelallergien stellen die Kreuzallergien dar. Dabei findet sich primär eine Allergie gegen ein sonstiges Allergen (z.B. Birkenpollen). Zugleich führt jedoch die Aufnahme eines ungeschälten, rohen Apfels zu Beschwerden im Sinne der Sofortreaktion (s.u.).

Grund ist die Ähnlichkeit allergener Oberflächeneigenschaften von Birkenpollen und Äpfeln. Im vorliegenden Fall muß ein Birkenpollenallergiker auf den Genuß roher Äpfel verzichten.

Es gibt zahlreiche Kreuzallergien, welche im klinischen Alltag berücksichtigt werden müssen.

 

 

Wer ist anfällig für Nahrungsmittelallergien?

Grundsätzlich kann jeder Mensch im Laufe seines Lebens von einer Nahrungsmittelallergie betroffen sein. Tatsächlich findet sich ein höheres Risiko bei folgenden Patientengruppen:

 

-

Kleinkinder, wenn mind. ein Elternteil von Allergien betroffen ist  

-

Erwachsene, die zugleich eine oder mehrere sonstige Allergien aufweisen (insbesondere Typ 1-Allergien)  

-

Patienten, die an einer angeborenen Atopie leiden

 

 

Allergie Typ 1: Sofortreaktion

Die häufigste - und subjektiv beeinträchtigendste - Form der Nahrungsmittelallergie ist die Allergie Typ 1 nach Gell und Coombs. Bei dieser Sofortreaktion treten Symptome binnen Minuten bis zu zwei Stunden nach Aufnahme des Nahrungsmittels auf:

 
- Zungenbrennen, juckender Gaumen  
- Magenbeschwerden, Durchfall, Kolik  
- Hautrötung (flush-Symptomatik)  
- Juckender Nesselausschlag (Urticaria)  
- Schwellungen im Gesichtsbereich, der Hände, Füße, manchmal auch an anderen Lokalisationen (Quincke-Ödem).  
- im Extremfall: Atembeschwerden, Schweißausbruch, Blutdruckabfall (Anaphylaxie)  
 

Allergie Typ 3

Seltener; "Immunkomplexreaktion" nach Gell und Coombs. Symptome (z.B. Hautausschläge, Verdauungsbeschwerden) treten mit Verzögerung von mehreren Stunden (bis zu einem Tag) auf.

 
 

Andere Allergien durch Nahrungsmittel

Diskutiert wurden und werden auch andere Allergieformen durch Nahrungsmittel bzw. deren Inhaltsstoffe, z.B.:

 

-

Auftreten eines Hautekzems (Allergie Typ 4) bei Nickelallergikern nach Einnahme nickelhaltiger Nahrung;   

-

Auftreten von Hautausschlägen nach Einnahme salizylathaltiger Nahrung; u.a.  
 

Untersuchungen über diese Fälle haben jedoch zu uneinheitlichen Ergebnissen geführt.

 
 

Häufige Auslöser der Typ 1-Allergie auf Nahrungsmittel

Eine Vielzahl natürlicher Nahrungsmittel könnte theoretisch eine Allergie auslösen. In der Praxis handelt es sich jedoch häufiger um folgende:

 
 

Nüsse

Schalen- und Krustentiere

Sellerie

Mandeln

Äpfel

Milcheiweiß

Erdnüsse, Hülsenfrüchte

Steinobst

Eiproteine

Fische

Weizen

Soja

 
 

Innerhalb bestimmter Nahrungsmittel lassen sich oft mehrere Antigene nachweisen. Im Falle der Kuhmilch kommt neben den Kaseinen auch den Molkenproteinen allergene Bedeutung zu (a-Lactalbu- min, ß-Lactoglobulin, bovines Serumalbumin u.a.). Erhitzen mit höheren Temperaturen bewirkt Denaturierung dieser Proteine. Gewöhnliches Pasteurisieren kann jedoch sogar zur Erhöhung der allergenen Potenz einzelner Proteine führen (z.B. ß-Lactalbumin).

 
 

Zusatzstoffe

Industriell aufbereitete Nahrung enthält eine Reihe von Zusatzstoffen. Dazu zählen z.B.:  

 
 

Konservierungsmittel

Stabilisatoren

Verdickungsmittel

Farbstoffe

Antioxidantien

Oberflächensubstanzen

Geschmacksverstärker

Säuerungsmittel

 

Süßstoffe

Geliermittel

 

 
 

Für zahlreiche Zusatzstoffe besteht eine Deklarationspflicht der Hersteller. Tatsächlich ist nicht auszuschließen, dass eine selektive Allergie (bzw. Unverträglichkeit) gegen einen einzelnen Zusatzstoff besteht. 

 
 

Nahrungsmittelallergie bei Atopie

Unter "Atopie" verstehen wir eine angeborene Fehlprogrammierung des Immunsystems. Dabei kann es bereits ab dem Kleinkindesalter zur Sensibilisierung gegenüber zahlreichen Fremdantigenen kommen. Darunter fallen pflanzliche, inhalative Allergene (z.B. Pollen) ebenso wie Nahrungsmittelallergene. Als Folge der Sensibilisierung kommt es zu den entzündlichen Symptomen der Allergie (meist Typ 1-Sofortreaktion).

Das Risiko zur Sensibilisierung scheint anfangs geringer bei Säuglingen, die längerfristig (über 6 Monate) mit Muttermilch ernährt wurden. Ab dem zweiten Lebensjahr besteht jedoch kein Unterschied zu anderen Atopikern.

Gewöhnlich haben Nahrungsmittelallergien im Kindesalter mehr, im Erwachsenenalter zunehmend geringere Bedeutung. Zwar zeigen Atopiker auch noch im Erwachsenenalter häufig positive Labortests (IgE-Antikörper) gegen diverse Nahrungsmittelallergene. Soferne die entsprechenden Nahrungsmittel aber subjektiv vertragen werden, ist ihr Genuß möglich. Eine polyvalente Verbotsdiät unter Weglassung zahlreicher Nahrungsmittel ist meist nicht indiziert und wirkt eher lebenserschwerend.

Allergische eosinophile Gastroenteropathie:

Sonderform einer schleimhautgebundenen allergischen Reaktion bei Atopikern. Dabei kommt es kurz nach Nahrungsaufnahme zu Erbrechen, Diarrhoen und resultierender Mangelernährung. Die auslösenden Entzündungszellen finden sich In der Schleimhaut des Dünndarms. Die Beschwerden klingen unter Eliminationsdiät ab.

 
Unverträglichkeitsreaktion   

 

Symptome

Die angegebenen Symptome einer Unverträglichkeitsreaktion können vielfältig sein: 

 

-

Hautausschläge (Plötzliche Rötung, flush; Nesselsucht, Urticaria);  

-

Hautunreinheiten  

-

plötzlich auftretende Hautschwellungen (Gesicht, Hände, Beine etc.), Verdacht auf Quincke-Ödem

 

-

Verdauungsbeschwerden wie Bauchschmerz, Übelkeit, Erbrechen Durchfall, Verstopfung, Appetitlosigkeit; Gewichtsveränderung  

-

Unspezifische Beschwerden: Kopfschmerzen Schwächegefühl, allgemeines Unwohlsein, Fieberschübe   

-

etc.

 

 

Subjektive Unverträglichkeitreaktion

In manchen Fällen angegebener Nahrungsmittelintoleranz lässt sich kein Zusammenhang zu einer bestimmten Grundkrankheit nachweisen. 

Die bedeutet freilich nicht, dass keine Symptome vorhanden wären! Diese müssen mangels nachweis- barer Grundkrankheit vorerst als subjektive Nahrungsmittelintoleranz gewertet werden. Auch diese kann das Leben beeinträchtigen. Hier heißt es behutsam vorgehen und untersuchen; die Bedenken des Patienten ernst nehmen; ggf. vorhandene Ängste nehmen. In jedem Fall soll Schaden für die Gesundheit abgewendet werden.

 

 

An Grundkrankheiten gebundene Unverträglichkeitsreaktionen

In manchen Fällen von Nahrungsmittelintoleranz lässt sich eine bestimmte Grundkrankheit nachweisen. Umgekehrt sind bestimmte Grundkrankheiten mit selektiver Nahrungsmittelunverträglichkeit verbunden. Die folgende Tabelle zeigt eine verkürzte Übersicht über gängige Bespiele krankheitsgebundener Nahrungsmittelintoleranz:

 
 

Histaminintoleranz

Urs.:

 

Sy.:

Th.:

Enzymmangel (Diaminoxidase).

Histamin in der Nahrung wird zu langsam abgebaut.

Hautausschläge, Verdauungsprobleme

Histaminarme Kost.

Fruktoseintoleranz

Urs.:

 

Sy.:

 

Th.:

A. Enzymmangel (selten) oder 

B. Störung der Aufnahme im Darm (häufiger)

A. Störung des Zuckerstoffwechsels; 

B. Verdauungsprobleme

Fruchtzucker meiden

Laktoseintoleranz

Urs.:

Sy.:

Th.:

Enzymmangel (Laktase)

Verdauungsprobleme

Milchzucker meiden

Zöliakie

Urs.:

Sy.:

 

Th.:

Intoleranz gegen Gliadin aus Weizen. 

Immunologische Entzündungsprozesse im Darm bewirken Diarrhoe etc. - Oftmals zgl. Hauterkrankung: Dermatitis herpetiformis Duhring. - 

Gliadinfreie Diät, medik. Zusatztherapie.

 
 

Toxische Unverträglichkeitreaktion

Abbauprodukte von Nahrungsmitteln können Symptome hervorrufen, die jenen einer Nahrungsmittel- allergie ähnlich sind: Nesselsucht (Urticaria), Schwellungen, Durchfälle etc.

Auslösend sind z.B. biogene Amine diverser Eiweißprodukte, häufig in Fisch oder Käse.

Die genaue Anamnese wird einen ersten Hinweis auf eine toxische Unverträglichkeitsreaktion ergeben. Grundlegende Empfehlung ist ist Aufnahme stets frischer Nahrung!

 
Konsequenzen  
 

Chronische Beschwerden

Beispiel: Zöliakie, Histaminintoleranz, chronische Nesselsucht (Urticaria, länger als zwei Monate wiederkehrend bestehend). Eingehende Durchuntersuchung zwecks Abklärung zugrunde liegender Krankheiten und Unterscheidung zwischen Allergie und Unverträglichkeit. Temporäre Linderungstherapie bis zur Verifizierung eines definitiven Krankheitsbildes. 

 
 

Akute Beschwerden

Beispiel: Akute Nesselsucht (Urticaria), Schwellungszeichen: (Quincke-Ödem): Umgehende ärztliche Begutachtung! Allergische oder toxische Reaktionen können unter diesem Bilde erscheinen. Sie können sich binnen Stunden zu ausgeprägten Krankheitsbildern ausweiten.

 
 

Anamnese

Zu erfragen sind folgende grundlegende Daten:

 

-

Besteht eine bekannte Allergie? (Heuschnupfen, Kontaktallergie, Medikamentenallergie etc.)  

-

Gibt es in der Familie Betroffene mit bestehender Allergie?  

-

Essgewohnheiten: welche Nahrungsmittel, zu welcher Tageszeit, roh oder oder gekocht, regelmäßig oder sporadisch  

-

Trinkgewohnheiten: welche Getränke, alkoholische Getränke, wieviel in welchen Intervallen  

-

Sonstige Grunderkrankungen: Magenbeschwerden, Zwerchfellbruch (Refluxsymptomatik!), Gallen- erkrankung, Zuckerkrankheit, Bauchspeicheldrüse, Reizdarm, chronisch entzündliche bzw. rheumato- logische Erkrankungen; Kopfschmerzen, Fieberschübe etc.  

-

Hautausschläge: lokal / generalisiert, wiederkehrend, juckend, seit wann, nach bestimmten Nahrungs- mitteln?, mit welcher Verzögerung auftretend  

-

Schwellungszeichen: plötzliche Schwellung des Gesichts oder anderer Hautareale  

-

Medikamente: Dauermedikation, sporadische Medikamente, aus welchen Gründen, in welcher Dosis (Schmerzmittel!)  

-

Lebensweise: Berufliche und private Stressexposition, seelische Belastungen, Überforderung  
 

Zur Klärung von Zusammenhängen zwischen Nahrungsaufnahme und Krankheitssymptomen kann das Führen eines "Tagebuchs" durch den Patienten hilfreich sein.

 
 

Hauttests

Prick-Test (Ritz-Test): 

Besteht der Verdacht auf Vorliegen einer Nahrungsmittelallergie, kann ein Hauttest (Prick-Test) durchgeführt werden. Dabei werden Allergenproben in die Haut des Unterarms mittels Lanzette eingeritzt. Entsteht binnen 15 min. ein juckender Herd ("Quaddel"), besteht der Verdacht auf spezifische Allergie Typ 1.

Typ 3-Reaktionen erfordern eine Ablesung nach 6 bzw. 24 Stunden.

Typ 4-Reaktionen durch Nahrungsmittel sind selten; ein Epikutantest kann versucht werden. Typ 2-Reaktionen und pseudoallergische Reaktionen können nicht mittels Hauttests nachgewiesen werden.

 
 

Nach Sampson verfügt der PRICK-Test auf Nahrungsmittelallergene vor allem über einen hohen negativen Prädiktionswert (95%), während der positive Prädiktionswert weniger als 50% beträgt. Anders gesagt: Ein negatives Ergebnis im Hauttest hat mehr  diagnostische Aussagekraft als ein positives. - Zu berücksichtigen ist ferner eine reduzierte Reaktivität bei Kindern unter 2 Jahren.

 
 

Intrakutantests mit Nahrungsmittelallergenen (Einspritzen von Proben unter die Haut) führen zu höherer Sensitivität auf Kosten der Spezifität. Zugleich steigt die Gefahr schwerer Nebenwirkungen. Deshalb werden i.c.-Tests im Rahmen der allergologischen Nahrungsmitteldiagnostik nicht angewendet.

 
 

Labortest

Bestimmung Allergie-spezifischer Antikörper (Immunglobuline E, IgE) aus einer Blutprobe. Andere immunchemische Testverfahren kommen nur in speziellen Fällen zur Anwendung. Ein Labortest allein gibt noch keine verlässliche Auskunft über das Vorliegen einer Nahrungsmittelallergie!

 
 

Testspektrum

Die Tabelle zeigt ein mögliches Routinespektrum gängiger Nahrungsmittel zur allergologischen Testung:

 
 

Haselnuss

Roggenmehl

Hühnerei

Schweinefleisch

Erdnuss

Orange

Kuhmilch roh

Apfel

Mandel

Zitrone

Scholle

Erdbeere

Walnuss

Banane

Hühnerfleisch

Sojabohne

Weizenmehl

Sellerie

Rindfleisch

Kakao

 
 

Nicht alle Nahrungsmittel sind zur Durchführung eines Hauttests geeignet. Neben industriell hergestellten Lösungen können auch native (natürliche, nicht aufbereitete) Proben verwendet werden. Die Aussagekraft der Testergebnisse solcher Proben ist jedoch umstritten.

 
 

Provokationstest

Die perorale Exposition im Doppelblindversuch stellt den gold standard der in vivo-Diagnostik von Nahrungsmittelunverträglichkeiten dar. Dem eigentlichen Test muß eine mindestens zweiwöchige Eliminationsdiät vorangehen. Aufgrund möglicher ernster Nebenwirkungen kann der Provokationstest nur unter stationären Bedingungen und notfallmedizinischer Vorsorge stattfinden. 

Getestet werden bevorzugt lyophilisierte Einzelstoffe in neutralen Kapseln. - Die Testung von Nahrungsmittelzusatzstoffen ist in der täglichen Routine nicht sinnvoll. Dennoch gibt es auch für diese Zwecke aufbereitete Testkapseln, z.B. für Farbstoff-Mix, Sorbinsäure, Na-Glutamat, Salizylat usw.

Quelle: Allergietagung Wien 15.09.2001

 
 

Diätetisches Vorgehen

Diäten im Zusammenhang mit Nahrungsmittelallergien bzw. -unverträglichkeiten haben sowohl diagnostischen als auch therapeutischen Charakter (s. Tab.). Manche Diätschemata müssen nur zeitweise eingehalten werden; andere langfristig. In jedem Fall soll das Leben des Patienten durch eine Diät leichter werden, nicht schwerer und kompliziert: Daher wird ein pragmatisches Vorgehen empfohlen. Polyvalente Verbotsdiäten, die eine ausgeglichene Ernährung de facto unmöglich machen, sind kaum je indiziert und sollten tunlichst vermieden werden. 

 
 

Aufbaudiät

Beginn Reis + Tee; sodann schrittweise Zufügung weiterer Nahrungsmittel

Eliminationsdiät

Symptome klingen ab nach Weglassen des auslösenden Nahrungsmittels

Fleischlose Diät

Nur selektiver Verzicht zu empfehlen

Glutenfreie Diät

Dauerhaft bei Zöliakie

Histaminarme Diät

Dauerhaft bei Histaminintoleranz

Nickelarme Diät

Fragliche Durchführbarkeit

Salicylatarme Diät

Bei ausgeprägter Salizylatallergie bzw. -intoleranz

Suchdiät

Provoziert Symptome durch gezielte Exposition (nur stationär durchführbar)

Polyvalente Verbotsdiät

Zahlreiche Nahrungsmittel verboten. Schwer durchführbar, kostenintensiv, kaum indiziert

Vegane Diät

Streng vegetarisch unter Verzicht auf Fleisch, Milch- und Eiprodukte: obsolet!

Zuckerarme Diät

Laktosearme Diät bei Laktoseintoleranz

Fructosearme Diät bei Fructoseintoleranz

 
 

Spezielle Diäten: Details

 

-

Aufbaudiät bei Nesselsucht (Urticaria)

 

 

Tag 1-2

Reis und Tee

Tag 3

Kohlenhydrate (Brot), Margarine

Tag 4

Kartoffel

Tag 5

Gemüse (außer Tomaten, Spinat); Banane, Birne, Apfel (nicht roh)

Tag 6

Teigwaren

Tag 7

Milchprodukte

Tag 8

Mageres Fleisch

Tag 9

Schonkost (ohne Wurst); Fisch, Ei, Hartkäse

 

 

Die bisher vertragenen Nahrungsmittel werden beibehalten; Tag für Tag kommen neue Nahrungsmittel hinzu. Auf stets frische Nahrung ist zu achten!

 

-

Histaminarme Diät (n. Wantke, Götz, Jarisch)

 

 

Zu meiden sind größere Mengen an Nahrungsmitteln mit hohem Histamingehalt:

 

 

Fisch:

Thunfisch, Sardinen;

Käse:

Emmentaler, holländischer Gouda

Fleischwaren:

Salami; Osso collo

Gemüse:

Sauerkraut, Spinat, Tomaten

Sonstiges:

Schokolade

 

 

Alkoholische Getränke:

Zu meiden sind eher Rotweine als Weißweine, und bestimmte Sektsorten; naturtrübe Biere, halbvergorene Getränke.

 

-

Nickelarme Diät (n. Bresser)

 

 

Fragliche Sinnhaftigkeit, nickelfreie Diät nicht wirklich durchführbar.

Zu meiden sind: Hülsenfrüchte, Soja, Spinat, Hafer, Kleie, Meeresfrüchte, Schokolade, Kakao, Himbeere.

 

-

Salicylatarme Diät

 

 

Meidung:

Erlaubt:

Kartoffel

Gurken

Fleisch

Sellerie

Äpfel

Tomaten

Geflügel

Salat

Steinobst

Pfeffer

Fisch

Spinat

Beerenobst

Rotwein

Kohlenhydrate

Zwiebel

Zitrusfrüchte

Bier

Karotten

 

Essig

 

Knoblauch

 

 

 

Therapie der Nahrungsmittelallergie bzw. -unverträglichkeit

Grundlage jeder Therapie ist die Meidung des auslösenden Nahrungsmittels (bzw. des auslösenden Zusatzstoffes) . Dies fällt leicht bei einzelnen Nahrungsmitteln (z.B.: Hummer), jedoch schwerer bei vielfältig vorkommenden Nahrungsmitteln (z.B. Nüsse, als häufiger Inhaltsstoff von Backwaren). 

Lässt sich kein spezifisches Nahrungsmittel als Auslöser finden, so gilt die subjektive Verträglichkeit als Maß.

Im Falle einer Allergie muß auf das entsprechende Nahrungsmittel langfristig (ev. lebenslang) verzichtet werden. Im Falle einer Unverträglichkeit besteht die Möglichkeit, dass das betreffende Nahrungsmittel später wieder - ev. in kleinen Mengen - vertragen wird.

Nach Elimination bestimmter Nahrungsmittel ist trotzdem weiterhin auf ausgeglichene Ernährung zu achten. Im Einzelfall sollte Rücksprache mit dem betreuenden Arzt gehalten werden. 

Über das Ergebnis einer allergologischen Austestung  informiert ein schriftlicher Befund (Arztbrief, Allergiepass), welcher beim Patienten verbleibt. 

 

 

Eine akute klinische Symptomatik erfordert üblicherweise eine umgehende immunsuppressive Therapie mit nachfolgend engmaschiger Kontrolle. Meist klingen die Symptome binnen weniger Tage ab. Nur in schweren Fällen (z.B. Anaphylaxie) sind stationäre Therapie, Observanz, ggf. sogar intensivmedizini- sche Betreuung erforderlich.

 

 

Häufige Fragen

 

-

Patienten mit Pollenallergien (Heuschnupfen) haben oft auch eine kreuzreaktive Nahrungsmittelallergie. Bessert sich diese, wenn gegen den Heuschnupfen eine Impftherapie (Hyposensibilisierung) durchgeführt wird?

 

 

Ein Besserungseffekt der Kreuzallergie ist meist nicht zu erwarten.

 

-

In welchem Alter sollen Kinder allergologisch getestet werden?

 

 

Allergietests sind zwar prinzipiell im Kleinkindesalter möglich. Da sich während der ersten Lebensjahre die allergologische Situation aber ändern kann, erscheint ein Test üblicherweise erst ab dem 7. Lebensjahr sinnvoll.

 

-

Dürfen Patienten, die eine inhalative Allergie (Heuschnupfen) gegen Gräser und Roggenpollen haben, dennoch Roggenbrot essen?

 

 

Dies hängt von der subjektiven Verträglichkeit ab. Sollten allergologische Beschwerden nach Genuß von Roggenbrot auftreten, ist es diätetisch zu meiden.

 

-

Müssen wir uns vor dem Essen fürchten?

 

 

Nein! Wesentlich sind: seriöse Diagnostik, Prüfen der subjektiven Verträglichkeit, und ein pragmatisches Vorgehen. Essen soll Freude bereiten, nicht Angst.

 

-

Können Nahrungsmittelallergien wieder abklingen?

 

 

Ja. Im Kindesalter aufgetretene Nahrungsmittelallergien klingen häufig bis zum Erwachsenenalter wieder ab. Es können jedoch andere Allergien hinzukommen.

 

-

Vermindert längerfristiges Stillen die Entwicklung späterer Allergien des Kindes?

 

 

Nein, ein dauerhafter Effekt ab dem 2. Lebensjahr lässt sich nicht nachweisen. Umgekehrt bedeutet längerfristiges Stillen jedoch eine erhöhte Belastung für die Mutter.

 

 

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