HAUTARZT-VENENPRAXIS  
 
       
  Dr. Michael HÖRNER  

Tel.:

(01)-789 26 54

  Facharzt für Dermatologie, Venerologie und Allergologie  

E-Mail:

praxis@hautarzt-hoerner.at

  1140 Wien, Hütteldorfer Straße 117 / 9  

Web:

www.hautarzt-hoerner.at

 

     
 
 

INSEKTEN UND INSEKTENGIFTE

Über Insekten, ihre Gifte und allergische Wirkungen

 
   

Wege zur Allergisierung

 

Wirkung der Insektengifte

 

Biene

 

Wespe

 
Hummel  

Hornisse

 

Andere Insekten

 
Diagnose  
Therapie  
   
Wege zur Allergisierung  

 

Insekten kommen auf der ganzen Welt vor. Sie sind - im Freien ebenso wie im Hause - ständige und enge Begleiter des Menschen.  Dabei betrachten wir sie einmal als Nützlinge (in der Bestäubung von Blüten), ein anderes Mal als Schädlinge (Stechmücken). - So ist es nicht verwunderlich, dass auch aus allergologischer Sicht zahlreiche Insekten für uns eine Rolle spielen.

Dabei können Allergien auf mehreren Wegen entstehen:

 

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Giftstachel der Hautflügler (Hymenopteren)

Speichel der Blutsauger

Inhalative Allergene (Epithelien)

Orale Aufnahme als Nahrungsmittel (verunreinigter Honig)

 

 

Giftstachel

Der „Stachel“ ist in Wahrheit ein Paar in einer Scheide verborgener Stechborsten, die sich durch alternierende Bewegung in die Haut einarbeiten. Dabei wird aus einem Giftsack ein Substanzgemisch eingebracht, welches im Sinne der Feindabwehr sofort wirken soll (s.u.: Wirkung der Insektengifte)

 

 

Speichel der Blutsauger

Stechmücken und andere Blutsauger injizieren sie kein Gift zur Feindabwehr. Vielmehr gelangen beim Saugakt Allergene aus Speichelsubstanzen in die Haut des Wirts. Sie können - selten - allergische Reaktionen bewirken (Typ 1, Sofortreaktion; bzw. Typ 4, verzögerte Reaktion). Anaphylaxien (schwere allergische Reaktionen mit Kreislauf- versagen) sind kaum zu erwarten. Weitere Information: s.u.

 

 

Inhalative Allergie

Durch regelmäßigen Kontakt zu Insekten, z.B. berufsbedingt in Zuchtbetrieben, kann es auch zu einer inhalativen Allergisierung kommen. Deren Symptome gleichen jenen einer Pollenallergie, wobei es zu Reizungen der Schleimhäute von Auge, Nase und ev. Atemwegen kommen kann (Rhinitis, Coniuncti- vitis, ev. Asthma bronchiale).

 

 

Perorale Sensibilisierung durch Honig

Honig - erzeugt vom Organapparat der Bienen - besteht hauptsächlich aus einem Zuckergemisch (Nektar, Honigtau). Daneben finden sich jedoch zahlreiche Verunreinigungen, die zu allergischen Reaktionen führen können:

 

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Pollen

Bienensekrete, Bienenpartikel

sonstige organische Verunreinigungen

 

Wirkung der Insektengifte

 

 

Lokalreaktion

Insektengifte enthalten eine Vielzahl irritierender und gewebeschädigender Substanzen (s.u.: Zusammensetzung von Bienengift, Wespengift). Bereits der Stich ist stark schmerzhaft. 

Die toxische Lokalreaktion führt rasch zu Rötung, juckenden Quaddeln, Entzündung, Schwellung, ev. Blasenbildung, lokalem Hitzegefühl. Die Akutsymptome erreichen binnen Minuten bis Stunden ein Maximum. Bleibende Gewebeschäden (Nekrosen) sind möglich. Schwellungen in Gelenksnähe können die Beweglichkeit einschränken.

Das Abklingen der Symptome kann Tage dauern.- Gefährlich sind Insektenstiche im Bereiche von Lippen, Mundhöhle, Rachen oder Kehlkopf; da die resultierende Schwellung zu akuter Atemnot führen kann. In diesem Fall ist sofortige ärztliche Behandlung erforderlich!

 

 

Allgemeinreaktion

Insektengifte enthalten auch systemisch wirkende Substanzen, die auf Atemwege und Kreislauf wirken können. Zudem bewirken Insektengifte, dass körpereigene Mastzellen entzündungsfördernde Stoffe ausschütten, die in ihrem Zellinneren gespeichert liegen.

Abhängig von der Giftmenge bzw. individuellen Reaktionsbereitschaft, können daher neben der Lokalreaktion auch allgemeine Symptome auftreten. Diese können jenen der allergischen Reaktion ähnlich sein (generalisierte Nesselsucht, Schwellungs- zeichen, Kreislaufprobleme), doch liegt ihnen ein anderer - toxischer - Mechanismus zugrunde.

 
 

Mastozytose

Erhöhte Reaktivität auf Insektengifte findet sich häufig bei Patienten mit bekannter Mastozytose. Diese Patienten verfügen über eine deutlich höhere Zahl von Mastzellen, welche im Falle eines Insektenstichs degranulieren (gewebsaktive Substanzen ausschütten) können.  Auch ohne Vorliegen einer Allergie benötigen solche Patienten ein Notfallset !

 

 

Allergie

Einige Inhaltsstoffe der Insektengifte können zu einer Sensibilisierung führen, welche die Grundlage zur Entstehung einer Allergie darstellt. Dabei handelt es sich meist um eine Allergie Typ 1 (Sofortreaktion) nach Gell und Coombs. Erst beim nächsten Stich der gleichen Insektenart kommt es binnen Minuten zur Ausprägung allergischer Symptome; diese können umfassen:

 

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Hautrötung (flush-Symptomatik)

Juckender Nesselausschlag (Urticaria)

Schwellungen einzelner Körperpartien, unabhängig von der Stichstelle (Quincke-Ödem);

Magenbeschwerden, Durchfall, Kolik

Atembeschwerden

im Extremfall: Schweißausbruch, Blutdruckabfall verbunden mit Pulsanstieg, drohendes Kreislauf- versagen (Anaphylaxie). Ein anaphylaktischer Schock kann tödlich enden!

 

 

Das Sensibilisierungsrisiko steigt naturgemäß mit der Zahl erfolgter Expositionen. Es ist nicht erhöht bei Atopikern, die an und für sich zur Ausbildung von Typ 1-Reaktionen neigen. 

 

Biene

 
 

Apis mellifica (Honigbiene); Apis caucasica (Kaukasische Biene)

Ordnung: Hymenoptera; Familie: Apoidea

Die Biene hat einen behaarten Körper, ist kleiner und schlanker als Hummeln. Nach einem Stich verbleibt der Stechapparat (mit angehängter Giftdrüse) in der Haut des Patienten. Dennoch kann aus dem Auffinden eines Stachels nicht sicher auf die Herkunft des Tieres geschlossen werden. Für die Biene bedeutet die eigene Verletzung dabei den Tod. 

Tab 1. gibt einen Überblick über einige Inhaltsstoffe des Bienengifts und deren Wirkungen. Es bestehen manche Ähnlichkeiten zwischen Bienen- und Wespengift: So zeigen die Bienengiftallergene Api m2 bzw. Api m5 eine Verwandtschaft mit den Wespengiftallergenen Ves v2 und Ves v3 (s.Tab.2). Dennoch entstehen gewöhnlich keine Kreuz-Sensibilisierungen zwischen diesen Giften.

Sensibilisierungen entwickeln sich meist gegen die höhermolekularen Major allergens, wie Phospholipase A2 und Hyaluronidase; ev. auch gegen Minor allergens, wie Mellitin und Apamin. Markerallergene für eine Sensibilisierung gegen Bienengift sind Api m1, Api m3, Api m4, Api m10.

 
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Tab.1: Einige Inhaltsstoffe des Bienengifts (n.: Forck; Przybilla; Jakob u.a.);

xxxxx.Hauptallergene: fett gedruckt

 
 

Substanz

Allergen

Eigenschaften

Proteine

Phospholipase A2

Api m 1

Zellauflösung, Kontraktion der  glatten Muskulatur, Spreading (Ausbreitung)

Hyaluronidase

Api m 2

Proteolyse (Eiweißzersetzung), Spreading

ev. Kreuzallergie zu Wespengift: Ves v2

Mellitin

Api m 4

Esterase (Allergen B)

Dipeptidyl-Peptidase

Api m 5

ev. Kreuzallergie zu Wespengift: Ves v3

Icarapin

Api m 6

Proteaseinhibitor

Icarapin var.2

Api m 10

 

MR JP 8, MR JP 9

Api m 11

Hauptallergene aus Gelée royale

Vitellogenin

Api m 12

Dotter-Vorläuferprotein; ev. Kreuzallergie zu Wespengift Ves v6

Peptide

Saure Phosphatase

Api m 3

Zytolyse

Apamin

 

Neurotoxizität (Nervengift)

Degranulierende Peptide

 

Freisetzung entzündungsfördernder Mediatoren

Niedermolekulare Mediatoren

Histamin

 

Gefäßerweiterung, Kontraktion der glatten Muskulatur,

Schwellung, Juckreiz, Sekretion

Kinin

 

Entzündung, Schmerz

Leukotriene

 

Verengung d. Atemwege und Blutgefäße,

Anlockung von Entzündungszellen

Dopamin

 

Herz- Kreislaufwirkung

Noradrenalin

 

Herz- Kreislaufwirkung

 
     
 

Therapieansätze: Meidung der Exposition. Hyposensibiliiserung (s.u.) gegen Bienengift ist möglich.  Imker erleiden berufsbedingt zahlreiche Bienenstiche. Es kommt bei ihnen mit der Zeit zur Ausbildung einer Toleranz, offenbar im Sinne einer „natürlichen“ Hyposensibilisierung.

 

Wespe

 
 

Vespula vulgaris, Vespula germanica; Polistes (Feldwespen)

Ordnung: Hymenoptera; Familie: Vespoidea

Charakteristisch sind Wespentaille und schwarz-gelbe Färbung. 

Der Wespenstachel verbleibt nach einem Stich gewöhnlich nicht in der Haut. Dennoch kann aus dem Auffinden eines Stachels nicht sicher auf die Herkunft des Tieres geschlossen werden.

Innerhalb der Wespenarten besteht eine hohe Rate an Kreuzreaktivitäten auf Wespengifte.

Tab 2. gibt einen Überblick über einige Inhaltsstoffe des Wespengifts und deren Wirkungen. Innerhalb der Wespenarten besteht eine hohe Rate an Kreuzreaktivitäten auf Wespengifte. Die Wespengift-allergene Ves v2 und Ves v3 zeigen große Ähnlichkeit mit den Bienengiftallergenen Api m2 bzw. Api m5 (s.Tab.1). Kreuz-Sensibilisierungen zwischen Bienen- und Wespengift können sich manifestieren, sind jedoch eher selten. - Markerallergene einer Sensibilisierung gegen Wespengift sind Ves v1 und Ves v5.

 
 

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Tab.2: Einige Inhaltsstoffe des Wespengifts (n.: Forck; Przybilla; Jakob u.a.);

xxxiixffHauptallergene: fett gedruckt

 
 

Substanz

Allergen

Eigenschaften

Proteine

Phospholipase A1

Ves v1

Zellauflösung, Kontraktion der glatten Muskulatur

Hyaluronidase

Ves v2

Proteolyse (Eiweißzersetzung), Spreading

ev. Kreuzallergie zu Bienengift Api m2

Dipeptidyl-Peptidase

Ves v3

Enzymwirkung; ev. Kreuzallergie zu Bienengift Api  m5

Protease

Ves v4

Enzymwirkung

Antigen 5

Ves v5

Esterase (Enzymwirkung)

Vitellogenin

Ves v6

Dotter-Vorläuferprotein; ev. Kreuzallergie zu Bienengift

Api m12

Histidin-Dexarboxylase

 

erzeugt Histamin (s.u.) aus Histidin

Feldwespen-Antigen 5

Pol d5

Protease

Peptide

Prohaemolytica

 

Zellauflösung

Degranulierende Peptide

 

Freisetzung entzündungsfördernder Mediatoren

Niedermolekulare Mediatoren

Histamin

 

Gefäßerweiterung, Kontraktion der glatten Muskulatur,

Schwellung, Juckreiz, Sekretion

Wespen-Kinine

 

Entzündung, Schmerz

Serotonin

 

Wirkung auf Bronchien und Blutgefäße

Leukotriene

 

Verengung d. Atemwege und Blutgefäße,

Anlockung von Entzündungszellen

Dopamin, Adrenalin,

Noradrenalin

 

Herz- Kreislaufwirkung (adrenerg)

Acetylcholin

 

Herz- Kreislaufwirkung (cholinerg)

 
     
 

Polistes (Feldwespen) verfügen über eine zusätzliche Serinprotease mit allergener Potenz. Es besteht nur eine eingeschränkte Kreuzreaktivität mit Giften der Vespula. In Österreich finden sich (fast) nur Kreuzsensibilisierungen. Eigenständige Allergien gegen das Gift von Polistes kommen eher in südlichen Ländern vor (Mittelmeergebiete).

 
 

Therapieansätze: Meidung der Exposition; besonders die Herbstzeit erscheint kritisch. Hyposensibi-liiserung gegen das Gift von Vespula ist möglich. Gegen das Gift von Polistes steht dzt. nur ein American Mix zur Verfügung.

 

Hummel

 
 

Bombus terrestris, europäische Hummel; Megabombus

Ordnung: Hymenoptera; Familie: Apoidea

Behaarter Körper, plumper und größer als Bienen. Hummeln können zwar ebenfalls stechen, gelten jedoch als wenig aggressiv. Das Gift der Hummeln ist ähnlich zu bewerten wie Bienengift (s.o.).

Spezifische Allergien kommen nur selten vor; am ehesten bei berufsbedingter Exposition (Gärtner). Kreuzsensibilisierungen bei Bienengiftallergikern wurden hingegen beobachtet. Hyposensibilisierungen mit Hummelgift wurden durchgeführt. Eine kreuzreaktive Besserung der spezifischen Allergie nach Verwendung von Bienengift scheint jedoch nicht in allen Fällen gegeben. 

 

Hornisse

 
 

Vespa crabro.

Ordnung: Hymenoptera; Familie: Vespoidea

Hornissen - gleich Wespen - zeichnen sich durch Taillierung des Körpers und gelbe Schreckfärbung aus. Hornissen werden bis zu 4 cm lang. 

Das Gift der Hornisse ähnelt jenem der Wespe (s.o.). Hornissengift enthält zudem bis zu 5% herzwirk- sames Acetylcholin. Ein Stich injiziert das mehr fache einer Menge des Wespengifts, weswegen die lokalen und allgemeinen Symptome stärker ausfallen können. 

Aufgrund der höheren Giftmenge sowie der Konzentration des Acetylcholins müssen Herzpatienten nach einem Hornissenstich observiert werden!  

 

Andere Insekten

 
 

Feuerameise

Ordnung: Hymenoptera; Familie: Formicoidea

Auch Ameisen zählen zu den Hautflüglern. Dies ist nicht unlogisch, denkt man die temporäre Existenz geflügelter Drohnen.

Die Feuerameise (Solenopsis invicta, die "Unbesiegte") ist eine aggressive Ameisenart. Sie wurde 1930 aus Südamerika nach Nordamerika eingeschleppt und verbreitet sich dort kontinuierlich. Mittlerweile findet sie sich auch auf dem afrikanischen Kontinent, in europäischen Mittelmeerländern und entlang der Schwarzmeerküste.

Ihr Gift führt zu toxischen Hautreaktionen, Todesfälle durch anaphylaktische Reaktionen kommen vor. 

Therapie: Hyposensibilisierung mit Ganzkörperextrakten möglich.

 
 

Heimische Ameisenarten

Die heimischen Arten der Weg- und Holzameisen (Lasius niger, Lasius flavus) verfügen lediglich über abdominelle Giftdrüsen zur Sprühabwehr bei reduziertem Stachelapparat; daneben über Mandibelgifte. Diese bestehen vor allem aus Ameisensäure und Ketonen. Ihre gesundheitlichen Auswirkungen (entzündliche Lokalreaktionen) sind vergleichsweise harmlos.

 
 

Blut saugende Insekten

Die Einwirkung durch Saugapparate der Stechmücken, Bremsen, Flöhen, Raubwanzen u.a. Blut saugenden Insekten führt zu teils geringen, teils stärker ausgeprägten entzündlichen Lokalreaktionen. 

Es kommt nur selten zu Allergisierungen, am ehesten Typ 1 (Sofortreaktion) oder Typ 4 (Spätreaktion). Häufige Exposition kann jedoch - ähnlich Bienenstichen beim Imker - zu einer „natürlichen“ Hyposensibilisierung mit verminderter Reaktivität führen. Versuche einer Hyposensibilisierung mit Ganzkörperextrakten aus Stechmücken waren bisher unbefriedigend.

Blut saugende Insekten können allerdings über infektiöse Keime in die Haut einbringen, z.B. Borrelien.

Manchmal verbleibt im Gefolge eines Insektenstichs ein dauerhafter, bräunlicher, nicht juckender Knoten in der Haut. Ob dieses Granulom (oder Histiozytom) als Endpunkt einer allergischen Gewebsreaktion oder einer lokalen Infektion zu bewerten ist, ist nicht gänzlich geklärt.

 
 

Sonstige Insekten

Prinzipiell kann es zu Allergisierungen gegen zahlreiche andere Insekten kommen; besonders bei häufigem Kontakt. Zu diesen Insekten zählen auch:

Fliegen, Schaben, Heuschrecken, Mehlkäfer, Seidenspinner etc -

Eine vorbestehende Atopie fördert ggf. die Entstehung solcher Allergien.

 
Diagnose  
 

Wie bei anderen Typ-1 Allergien (Allergien vom Soforttyp) beruht die Diagnose einer Insektengiftallergie auf drei Säulen:

Anamnese, Hauttest, Labortest.

Im Gegensatz zu anderen Typ-1-Allergien wird bei den Insektengiften jedoch der Labortest vor dem Hauttest durchgeführt. - In der täglichen Praxis werden im Wesentlichen Allergien gegen Bienen- und Wespengift ausgetestet.

 
 

Anamnese

Folgende Fragen sind zu beantworten, um mögliche  allergologische von nicht-allergologischen Reaktionen zu unterscheiden:  

 

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Welches Insekt hat die Symptome ausgelöst?

Wie viele Insekten haben gestochen?

Verblieb ein Insektenstachel in der Haut? (Keine sichere Aussage!)

Welche Symptome traten auf?

Wie stark war die Lokalreaktion?

In welcher zeitlichen Folge traten die Symptome auf?

Kam es zu Kreislaufschwäche, Ohnmacht, Herzrhythmusstörungen?

Wurde eine Akutmedikation verwendet?

In welchem Zeitraum klangen die Symptome ab?

Bestehen Spuren einer dauerhaften Gewebsveränderung?

Hat sich nach Tagen bis Wochen an der Stichstelle ein schmerzloser, nicht juckender violetter Fleck entwickelt, der langsam größer wird? (Verdacht auf Borreliose)

 

 

Labortest

Im Falle der Insektengifte werden Labortests vor dem Hauttest durchgeführt. Bestimmt werden IgE-Antikörper, die im Ablauf des allergischen Prozesses relevant sind:

 

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Gesamt-IgE (als Hinweis für das Ausmaß einer Allergieneigung);

IgE gegen Gesamtextrakte von Bienen- und Wespengift (Aussage wenig spezifisch);

Rekombinante IgE-Antikörper gegen spezifische Allergene von Bienen- und Wespengift: Molekular-diagnostische Differenzierung von Sensibilisierungen gegen Markerantigene der Insektengifte (Tab.3).

 
 

Tab.3: Markerallergene von Bienen und Wespengift (r=rekombinant)

Bienengift

rApi m1, rApi m3, rApi m4, rApi m10

Wespengift

rVes v1, rVes v5

Vom Ergebnis der rekombinanten IgE-Testung hängt nicht zuletzt ab, ob eine spezifische Immun-therapie (Hyposensibilisierung, s.u.) zielführend erscheint.

 

 

Hauttest

Hauttests (Prick-Test) gegen Bienen- und Wespengifte werden getrennt durchgeführt. Dabei werden verdünnte Allergenproben in aufsteigender Konzentration als Tropfen auf die Beugeseite des Unterarms aufgebracht. Sodann wird die Haut geritzt: Entsteht binnen 15 min. ein juckender, infiltrierter Herd ("Quaddel"), besteht der Verdacht auf spezifische Allergie.

 
Therapie  

 

Meidung

Wichtigste Maßnahme gegen Insektenstiche und -bisse ist die Meidung. Allergiker mögen sich von Risikogebieten (Wespennester, Bienenstöcke) fernhalten. Der Gebrauch Insekten-abweisender Repellentien ist anzuraten. Vorsicht bei halb gefüllten, offen stehenden Getränkedosen: Dort hinein verirren sich nicht selten Wespen!

 

 

Therapie der Lokalreaktion

Lokal: Kühlende Umschläge; Hochlagerung; ev. externes Corticoid. Blasen steril eröffnen, Blasendecke belassen. Anfangs lockere Verbände ohne großen Kompressionsdruck, um Gewebsschäden zu vermeiden.

Systemisch, je nach Erfordernis: Antihistamine, Antiphlogistica, abschwellende Medikation. Bei infektiöser Komplikation Antibiotika.

 
 

Therapie der nicht-allergischen Allgemeinreaktion

Rasche ärztliche Begutachtung. Aufgrund der Ausmaßes der toxischen Reaktion steht eine systemische Therapie im Vordergrund:

Nach Erfordernis (wenige Tage) Cortison in absteigender Dosis unter Magenschutz; Antihistamin parenteral, später peroral durch einige Tage. Abschwellende Medikation. Engmaschige ärztliche Kontrolle. Begleitende Lokaltherapie.

Bei Herz-Kreislaufbeschwerden stationäre Observanz bis zum Abklingen der Beschwerden.

 
 

Therapie der allergischen Reaktion

Der folgende Absatz gibt die Eckpunkte des prinzipiellen ärztlichen Vorgehens zur Behandlung einer Anaphylaxie an. Weitere Informationen sind einschlägigen Vorschriften zu entnehmen.

Umgehende ärztliche Begutachtung! Schocklage, venösen Zugang schaffen, NaCl 0,9% 500 ml Infusion; ggf. Sauerstoff. 

Antihistamin, Cortison, H2-Blocker parenteral. 

Bei Bronchokonstriktion: Bronchodilatantien parenteral.

Wiederholte Messung von Puls und Blutdruck. Gesprächskontakt aufrechterhalten.

Bei drohender Anaphylaxie (Kreislaufversagen):

Adrenalin Autoinjektor (s. Notfallset); bzw.

Adrenalin 1:10.000  0,3-0,5 (-1,0) ml langsamst (!) i.v., unter beständiger Kontrolle von Puls, Blutdruck und EKG. Observatio mind. 24 Stunden.

 
 

Notfallset

Kommt es nach einem Insektenstich zu einer allergischen Reaktion, könnte der Weg zum nächsten Arzt dennoch weit sein. Patienten, bei denen eine Allergie gegen Bienen- oder Wespengift nachgewiesen wurde, erhalten daher (meist im Frühjahr) ein sog. Notfallset. Dieses enthält folgende Bestandteile:

 

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Antihistamintabletten oder -Tropfen

Cortison-Tabletten

Adrenalin-Autoinjektor (Einmaldosis), zur Selbstanwendung durch Patienten: 

Nur im Falle drohenden Kreislaufversagens bzw. Anaphylaxie!

 
 

Wichtig: Nach Gebrauch des Notfallsets soll dennoch umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Allergische Symptome können innerhalb mehrerer Stunden wiederholt auftreten!

Selbstverständlich erhalten auch jene Patienten ein Notfallset, die aus anderen Gründen zu ausgeprägten allergischen Sofortreaktionen neigen. - Patienten mit Mastozytose sollen ebenfalls ein Notfallset mit sich tragen (s.o.).

 
 

Hyposensibilisierung

Um künftige schwere allergische Reaktionen gegen Bienen- und Wespengift zu vermeiden, steht als einzige kausal wirksame Methode die spezifische Immuntherapie (SIT, Hyposensibilisierung) zur Verfügung. Dabei werden wiederholt längerfristig eben jene Giftstoffe in gereinigter Form injiziert, die als Auslöser einer Typ 1-Allergie erkannt wurden. Die Immuntherapie muss für Bienen- und Wespengift getrennt durchgeführt werden.

Es gibt mehrere Impfschemen, die sich im zeitlichen Ablauf und in der Dosis unterscheiden:

 

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Langsames Impfschema: Einleitungstherapie mit wöchentlicher Injektion und langsamer Dosissteigerung durch einige Monate, gefolgt von Erhaltungstherapie mit monatlicher Injektion durch 3-5 Jahre.

Verkürztes Impfschema: Bei gegebener Verträglichkeit raschere Dosissteigerung in kürzeren Intervallen.

Rush-Hyposensibilisierung: Hyposensibilisierung mit Aufsättigung in iurzen Intervallen binnen weniger Tage. In dringend erforderlichen Fällen, Durchführung nur unter stationärer Observanz.

 

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Nachwort

Zahlreiche interessante Informationen zu diesem Thema verdanke ich Herrn Univ. Doz. Dr. Wolfgang Hemmer vom Floridsdorfer Allergiezentrum, 1210 Wien.

 

 

Quellen:

1.

Altmeyer, Enzyklopädie: www.enzyklopaedie-dermatologie.de, Wespengiftallergie T63.4

2.

Altmeyer, Enzyklopädie: www.enzyklopaedie-dermatologie.de, Bienengiftallergie T78.8

3.

Barnetson RSC, Gawkrodger D: Überempfindlichkeit - Typ 4-Reaktion. In: Roitt IM, Brostoff J, Male DK: Kurzes Lehrbuch der Immunologie, Kap. 22, S 295-493. Thieme, 2.Aufl. 1991

4.

Brostoff J, Hall T: Überempfindlichkeit - Typ 1-Reaktion. In: Roitt IM, Brostoff J, Male DK: Kurzes Lehrbuch der Immunologie, Kap. 19, S 253-273. Thieme, 2.Aufl. 1991

5.

Forck  G, Kalveram K-J: Insektenallergie. In: Fuchs/ Schulz, Manuale allergologicum V.17.1; 1-7 ; Dustri-Verlag 1990

6.

Hemmer W, Floridsorfer Allergiezentrum (FAZ) Vortrag 2006: "Allergie-auslösende Insekten"

7.

Jakob T et al.: Diagnostik der Hymenopterengiftallergie: aktuelle Konzepte und Entwicklungen mit besonderem Fokus auf die molekulare Allergiediagnostik. Allergo J Int 2017; 26:93-105

8.

Kleine-Tebbe J, Hebenstreit S, Jeep S et al.: Allergen­aktivität von Wespengiftextrakten bei der Histaminfrei­setzung aus basophilen Leukozyten. Allergologie 1992 (4); 15: 120-128

9.

Mehlhorn B, Mehlhorn H: Zecken, Milben, Fliegen, Schaben. Springer, 2. Aufl. 1992

10.

Pirker C, Koller DY, Rosenkranz AR et al.: Mücken­stichallergie. Hautarzt 1992 (1); 43: 1-3

11.

Przybilla B: Bienen- und Wespengiftallergie. Hautarzt 1993 (9); 44: 611-622

11. Wilson AB, Deighton J, Lachmann PJ, Ewan PW: A comparative study of IgG subclass antibodies in patients allergic to wasp or bee venom. Allergy 1994 (4); 49: 272-280

12.

Przibylla et al: Diagnose und Therapie der Bienen- und Wespengiftallergie. Leitlinien der dt. Ges f. Päd Allergologie u Umweltmedizin, RegNr 061/020 (März 2011) (4)

13.

Yunginger JW: Insect allergy. In: Middleton, Allergy - Principles and Practice. Vol II, Kap. 59, 1511-1524. Mosby, 4. Aufl. 1993

 

 

   
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